Sunday, May 25, 2008

Achtsam


Ich fand ihn vor der Bücherwand. "Warum liest Du soviel?", fragte ich. "Wenn die Erfahrung im Inneren liegt, warum sollte man dann lesen?"
"Nun, das ist einfach und schnell gesagt. Bücher sind zwar Worte und Worte haben wenig mit den Einsichten zu tun, die man auf der Suche nach Erkenntnis haben kann, aber - Worte besitzen die Kraft, das Wissen in uns anzusprechen. Worte sind in der Lage, Kräfte und Fähigkeiten wachzurufen, die tief in unserem Inneren schlummern. "

"Nimm dich zum Beispiel. Du spürst das in Dir etwas schlummert. Du bist auf der Suche und du wärst glücklich, wenn du wüsstest wonach du rufen müsstest um das Schlummernde zu erwecken."

"Klar, jeder sucht - denke ich zumindest."

"Ja, das ist wahr, aber suchen und suchen ist nicht dasselbe. Die Einen suchen nach Bestätigung und wünschen nicht das Schlummernde zu wecken. Sie haben Furcht vor sich selbst, denn was Böses würde das Schlummernde in uns uns schon antun?"

"Die Anderen suchen nach klaren Worten. Sie suchen nach der Harmonie mit ihrem Verstand. Alles soll so klingen, als sei es logisch. Sie wollen das Schlummernde auch nicht wecken, sie wollen stets das Neue denken und stets das Neue erklären, sie verlieren sich in der Welt der materiellen Phänomene, in der alles bewiesen werden kann. Sie kratzen am Schlummernden, sie ärgern das Schlummernde, aber letzten Endes lassen sie das Schlummernde schlafen."

"Und dann gibt es die Machtmenschen. Sie würden gerne das Schlummernde wecken, um anderen gegenüber im Vorteil zu sein. Sie sind die Menschen auf der Suche nach Insider Informationen und den schnellen Extraprofit. Wenn das Schlummernde gierig wäre und auf Profit aus wäre, dann wäre das Schlummernde erwacht, aber so sind es nur mutige und gierige , die Dinge in den Alltag transferieren, die mit Beeinflussung und Manipulation zu tun haben. Es muss nicht vernünftig sein, Menschen es funktioniert. Sie haben eine verzerrte Sicht auf das Schlummernde."

"Und dann gibt es Menschen, die das Schlummernde erwecken. Sie sind achtsam. Das Schlummernde dreht sich im Schlaf, es seufzt und spricht im Schlaf. Das Schlummernde träumt, betet und singt, leise und fast unhörbar. Derjenige, der mutig und ohne alles erklären zu müssen und ohne Anderen etwas aufzwingen zu wollen auf die Zeichen des Schlummernden achtet, der weckt es auf. Das Aufwachen mag eine Sekunde dauern oder aber auch 12 Jahre. Die Achtsamkeit ist der Weckruf des Schlummernden und niemals, hörst Du niemals lasse Dir von anderen Menschen erzählen, was dein Schlummerndes ist oder wäre? Damit wird deine Achtsamkeit gelenkt, beschnitten, klein gemacht. Nein, öffne Deinen Geist und achte auf dein Schlummerndes und wenn ich ein Buch lese, dann hört das Schlummernde zu und wenn ich achtsam bin, dann spüre ich, wenn es etwas sagt."

4 comments:

zentao said...

Wenn ich lese bin ich wach, nein so eine Art meditativer Zustand, aber Schlummern würde ich das nicht nennen. Dann ist da noch ein Unterschied, lese ich eine gewöhnliche Geschichte, die Zeitung oder einen Roman, dann ist das meistens ein oberflächliches Lesen. Lese ich aber einen in die Tiefe gehender Text von einem Spirituellen Lehrer, dann lese ich wieder ganz anders.
Liebe Grüsse zentao

ahora said...

|" und niemals, hörst Du niemals lasse Dir von anderen Menschen erzählen, was dein Schlummerndes ist oder wäre? "

Ich weiß genau, was Du meinst

Es sind nicht die Worte,
die schwingen
wir hören den TON
leise singen

Zwischen den Worten
dieser Zeit
singt die Musik
der Ewigkeit

by Barbara

Ray Gratzner said...

Lieber zentao, Du kennst unterschiedliche Lese-zustände und Aufmerksamkeiten beim Lesen. Wenn ich darüber so nachdenke, fühle ich mich je nach Textart auch unterschiedlich. Dennoch bringen manche Texte etwas in mir zum Klingen. :-)

Liebe ahora, starkes Gedicht, starker Kommentar. Herzlichen Dank

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