Sunday, July 6, 2008

Moralisches Handeln


"Das Streben nach moralischem Handeln ist das wichtigste Streben der Menschen." Albert Einstein

Wenn ich mich darauf konzentriere, anderen Menschen nicht zu schaden - ist das bereits moralisch? Ich denke schon. Für den Alltag mag das völlig ausreichend sein. Was aber ist in anderen Kontexten richtig?

Wenn Firmen Schmiergelder zahlen, um an Aufträge zu kommen? Schaden die Firmen dann jemand anderem, wenn das Produkt einwandfrei ist?

Wenn Politiker Lobbygruppen bedienen auf Kosten der breiten Masse der Bürger. Letztes Beispiel, dass mir einfiele wäre, dem Kraftstoff Biobrennstoffe beizumischen, damit die Automobilindustrie mit den CO2 Werten ihrer Flotten herunterkommen. Am Ende zahlt nur der KFZ-Fahrer die Zeche. Schaden die Politiker jemand anderem?

Wenn ich mich nicht leiden kann, weil die Werbung mir suggeriert, dass ich einen Waschbrettbauch brauche, schadet die Werbung mir dann?

Manches Mal musst Du loslassen von der Vorstellung einer idealen oder liebevollen Welt, denn die findest Du außerhalb Dir nicht. Was Du finden kannst sind Menschen, die bereit sind Dir liebevoll und mit Achtung zu begegnen. Ist das nicht schon genug? Ich glaube nicht.

Wenn wir nur unsere eigene Befindlichkeit im Auge haben, dann verschließen wir nur die Augen vor den Problemen unserer Zeit. Wenn wir obendrein eine Vorstellung davon haben, wie eine bessere Welt beschaffen sein sollte, dann sind wir mit unserer Vorstellung Geburtshelfer einer solchen Welt. Von Zeit zu Zeit stelle ich mir vor, diese Welt existierte bereits und ich lebte in ihr.

6 comments:

Gabaretha said...

Lieber Ray,
wer daran denkt, keinem anderen zu schaden denkt zumindest schon besser, als einer dem es egal ist. ...und wenn einer zum Wohle aller Beteiligten denkt und entsprechend agiert ist das (für mich) schon besser und besser.
Ich wünsche Dir eine wundervolle Arbeitswoche voll Freude und Erfolg.
Alles Liebe,
Gaba

ahora said...

Lieber Ray,
moralisch handeln. Wer möchte das nicht.
Ich kann im Moment nichts dazu tun, dass die Firmen Biodiesel unter das Benzin mischen, dass Firmen Schmiergelder zahlen...

Wie schön wäre es, wenn diese und viele Dinge anders wären.

Ist es nicht "unwirtschaftlich" Energie" in unglückliche Gedanken zu pumpen, z. B. dass ich es nicht ändern kann?
Ein unglücklicher Mensch hilft dem Kosmos nicht, d.h. postwendend auch nicht sich selbst.

Den meisten fällt es leichter, sich unglückliche Gedanken zu machen, als im Licht zu leben.

Leider sind wir so erzogen worden.
Dadurch lähmen wir uns und andere.
LG
Barbara

Ray Gratzner said...

Liebe gaba, danke für die Wünsche zum Beginn der Arbeitswoche, die für Nachteulen ja sowieso später beginnt.
LG Rainer

Liebe Barbara, was Du sagst klingt schlüssig in meinen Ohren, und danke für Deinen Kommentar dem ich 100% ig zustimme. Ich frage mich nur, gibt es da irgendwo ein Bindeglied, sich innerlich glücklich mit Problemen befassen zu können?....LG Rainer

artemis said...

Hallo Ray und alle anderen!

Ich stimme ahora zu - wichtig ist es zunächst, sich selbst 'in Ordnung zu bringen'.

Nur wenn ich mich selbst aufgeräumt habe, meine tiefsten Ängste, Sehnsüchte etc. kenne und weiß, wie sie getriggert werden ... dann kann ich mich kollektiven Problemen zuwenden, ohne dabei unglücklich zu werden.

"Moralisches" Handeln ist zuallererst ein Handeln nach innen hin. Ich erleb(t)e das sehr häufig in den diversen gemeinnützigen Vereinen, in denen ich gearbeitet habe. Die Absichten sind immer gute, aber wirkliches Vorankommen zum Wohle aller wird häufig von aufgeblasenen und verletzten Egos verhindert...

Ein Weg, glücklich mit "Problemen" umzugehen, ist vielleicht die Entwicklung von liebender Neutralität. Dann vielleicht auch noch die Fähigkeit, Probleme als Lernaufgaben zu betrachten. Als nächstes die Erkenntnis, dass es so etwas wie endgültigen Tod oder totale Zerstörung nicht gibt.

Ich diskutiere immer wieder mit Freunden über das Thema, und wir alle haben das Gefühl, dass sich 'die Menschheit' gerade in einer Art kollektiven Reifungsphase vom Kind zum Erwachsenen befindet. Haben wir vorher einfach genommen was wir wollten, begreifen wir langsam die Konsequenzen unseres Tuns und haben die wunderbare Chance, Verantwortung für uns und alles, was uns umgibt, zu übernehmen.

Ah... soviel Weisheit zu später Stunde... ;-)

Herzliche Grüße!

ahora said...

... Ah... soviel Weisheit zu später Stunde... ;-)

Liebe artemis, Dein Eintrag ist so richtig nach meinem Geschmack.

Lieber Rainer, wo das Bindeglied ist?
Humor, Humor und nochmals Humor.

Übrigens, Dein Kommentar bei giocanda, Du weißt schon, den mit der Kuh und dem Drink - echt lustig. Vielen Dank, ich schmunzle noch immer.

Ray Gratzner said...

Liebe artemis, danke für soviel Weisheit und das Offenlegen Deiner Gedanken. Liebende Neutralität... ich denke das wäre eine gute Sache.
Bei der Entwicklung der Menschheit vom Kind zum Erwachsenen bin ich mir nicht ganz so sicher, weil ich glaube dass die Menschen schon seit Tausenden von Jahren sehr viel erwachsenes Wissen besitzen.
Meiner Meinung nach geht es um die Zivilisierung der Machtstrukturen, die zur Zeit nicht wertschätzend mit der Erde und uns umgehen....

Liebe ahora, ja lachen, das ist es was uns wieder aufbauen kann.... danke für Deinen Kommentar.