Tuesday, August 12, 2008

Sexualität und Partnerschaft III

"Aber wer hat je das Gesetz gemacht, das Ehepartner Liebende sein müssen. Kommen sie im Alltag gut zurecht und leben sie harmonisch zusammen, dann muss es keine Liebe sein, die sie verbindet. In früheren Jahrhunderten ging man nicht davon aus, das zwischen Ehepartnern Liebe herrschen würde. Liebe wurde eher außerhalb der Ehe gesehen."

"Wenn Männer und Frauen also in einer festen Beziehung stecken, die für das Erste gesetzt ist und an dessen Bestand niemand rüttelt, wie kann Liebe, Glück und Erfüllung in die Herzen einziehen und wie können beide Partner zu einer erfüllten Sexualität finden?"

Ich zucke mit den Schultern. "Ist das nicht die Quadratur des Kreises, wie kann es Erfüllung ohne Liebe geben?"

Sie lächelt mich an. "Du willst süß sein, oder nett. Das hilft hier aber alles gar nichts, denn das Ideal der bürgerlichen Liebe, das ist eine auf längere Zeit angelegtes Gefühl. Wir schauen hier aber nicht in die Zukunft, die keiner kennen kann, jedenfalls nicht mit den Mitteln, die Dir zur Zeit zu Gebote stehen. Wir reden von einem Moment, jetzt. Und in diesem Moment können wir uns verlieben oder hassen lernen. Es liegt an uns, was wir aus diesem Moment machen und zwei Partner, die sich im Moment für einander entscheiden können und dürfen ihre momentane Liebe entdecken, die doch nie eine größere Zukunft hat als Jetzt. Stelle Dir doch einmal das Gefühl der Liebe entfrachtet vor. Ohne den Verwaltungsaufwand des Morgens. Welche Bürokratie des Aufrechnens. Ich habe dir viermal zugelächelt, das heißt ich liebe dich aber bei zweimal fühle ich mich vernachlässigt?"

"Grundsätzlich gilt, das Ego des Mannes und die bürgerliche Liebe sind Monstren der Verwaltung von Besitz. Alles wird aus der Zukunft begründet und soll uns im Moment über unsere wahren und intensiven Gefühle wegtäuschen. Jeder Mensch kann jeden lieben und es ist nichts schlecht daran in einem Moment Liebe mit einem Menschen zu erleben, der vielleicht dem Irrtum oder einem Wahn von einem männlichen Ego verfallen ist. Solange er in diesem Moment lieben kann, ist alles andere Spekulation."

"Schauen wir uns doch mal diese Gefühle an, die wahren Gefühle. Die Gattung Mensch will überleben und sie hat die Fortpflanzung im Akt der Zeugung mit Lust besetzt. Wie clever. Der Moment ist stärker, als die Vorausschau. Wenn ich Männer sehe, dann sehe ich in Ihnen den Befehl Kinder zu zeugen. Jeden Tag wollen sie ein Kind zeugen. Das mag mit der Grund sein, warum man Männern nachsagt, sie seien sehr stark von ihrem Geschlechtstrieb gesteuert. Eine Frau die Sexualpartner sucht und nur auf den Moment schaut, wird deswegen genug Sexualpartner finden können."

"Aber wie sieht es bei Frauen aus?"

8 comments:

schocan said...

Mal rein evolutionstechnisch betrachtet:

Frauen können nun mal nur 1 mal im Jahr ein Kind bekommen, bedingt durch die lange "Tragezeit", daher müssen sie bei der Auswahl des Partners sorgfältig vorgehen und es heißt, sie würden instinktiv Partner mit starken Genen suchen (was oft genug schief geht, ich weiß).
Ein Mann kann seine Gene beliebig oft verteilen, ohne körperliche Schäden zu befürchen (ja, im Prinzip jedenfalls), warum sollte er es dann nicht tun?

zentao said...

Lieber Ray
In unserer Kultur verlieben wir uns vor der Heirat, in unsere Zukünftige und manche entlieben sich schon wieder nach einigen Wochen. Weil sie nicht den anderen lieben, sie lieben nur sich selber.Unsere Kultur ist in vielem eine Kultur des Egoismus. In Indien wird ein Mann vor dem 30.en Lebensjahr verheiratet, auch dort dreht sich alles um den Mann. Mann und Frau kennen sich vor der Hochzeit in der Regel nicht.Hier lernen sich die Lebenspartner erst nach der Hochzeit kennen und lieben, was auch sehr gut funktioniert, Indien hat auf jedenfalls eine sehr grosse Geburtenrate.
Liebe Grüsse zentao

Ray Gratzner said...

Liebe schocan ein interessanter Gedanke, der plausibel klingt. Für eine Frau steht mehr auf dem Spiel, sie muss gewissenhaft wählen.... Männer hingegen... Danke für diese spannenden Gedanken. LG Rainer

Lieber zentao, du hast die wesentlichen Eckpunkte zusammengefasst und ich verstehe Dich so, Liebe vor der Ehe muss nicht der Verursacher einer hohen Geburtenrate sein... Auch eine spannende Sichtweise.. LG in die Schweiz.

trinergy3 said...

"Die Liebe kommt nach der Hochzeit", sagt auch ein Sprichwort aus Lappland. Ich glaube, auch Arthur Schnitzler hat mal was Ähnliches gesagt.
Die Scheidungsrate in Wien beträgt zur Zeit bereits über 66%. Das könnte ein Grund dafür sein, dass bei der Partnerwahl etwas schief gelaufen ist... Ich lese und höre es auch immer wieder, dass die Scheidungsrate gegen 0 bis 1% in den Ländern liegt, wo die Eltern die Ehepartner für ihre "Kinder" aussuchen :-)
Sehr spannend auf jeden Fall, dieses Thema!!!
Herz-lichst Elisabeth

Dori said...

Ich kann ja nur für mich selbst sprechen: ich möchte nicht mit einem Mann zusammenleben, den ich nicht liebe und begehre.
Vermutlich hat es deshalb in meinem Leben mehrere Trennungen gegeben :-)

Ich vertrete auch die Meinung, dass eine Liebe immer nur eine bestimmte Zeit hält, das macht sie qualitativ nicht schlechter. Es gibt Lieben, die dauern 1 Jahr, 10 Jahre oder auch ein ganzes Leben. Das habe ich jedoch noch nicht erlebt, und in meinem Umfeld gibt es das auch nicht.

Ich finde, wenn es vorbei ist, sollte man LIEBEvoll auseinandergehen.

Sonnige Grüße

Dori

Sonnige Grüße

Dori

giocanda said...

und?
können wir noch einen einen Eintrag zu Sexualität und Partnerschaft" erwarten? ;-)

Liebe dori, manacur und ich sind 44 Jahre zusammen. Wir führen ein interessantes Leben.

Manchmal kommt es vor, dass ich ihn in die Wüste schicken könnte - und er mich bestimmt auch.

Ich glaube, das hat etwas mit Liebe zu tun *ggg*

Wir haben keine Angst uns auseinander zu setzen.

Das ist meines Erachtens ein wichtiger Aspekt der menschlichen Liebe. Mein Partner ist es mir wert.

Ich glaube es gibt sehr viele Varianten von "Sexualität und Partnerschaft". Sie sind so vielfältig wie das Leben.

Liebe Grüße
Barbara

Dori said...

@ Barbara,
da freue ich mich aus tiefem Herzen für Dich und Deinen Mann. Das meine ich sehr ehrlich.
Leider habe ich dieses Glück nicht gehabt in meinem Leben, aber da ich ja noch eine Weile hier bin, kann noch sehr viel Schönes passieren.
Sonnige Grüße
Dori

Ray Gratzner said...

Liebe elisabeth, das mit den Scheidungsraten ist so eine Sache. Mal ist die Scheidungsrate definiert als Verhältnis der Ehescheidungen in einem Jahr, zu den Eheschließungen in einem Jahr. Bezogen auf die Dauer einer Ehe nimmt die Anzahl der Scheidungen nach dem 9ten Jahr der Ehe wieder ab. Aber warum das alles so ist?... LG Rainer

Liebe Dori, danke für Deine Beobachtungen. Wenn Liebe ein Geschenk ist, dann ist die Dauer nicht wichtig. Wenn die Dauer nicht wichtig ist, dann bleibt sie vielleicht von Tag zu Tag ;-) LG to sun women

Liebe barbara, herzlichen Glückwunsch zu dieser langen Beziehung und hoffentlich kommen weitere 44 jahre dazu..... LG Rainer