Wednesday, February 18, 2009

Maler Bock


In Köln gab es einen Maler, nach dem auch eine Straße benannt wurde, das Maler Bock Gäßchen. Das besondere an diesem Maler war, das er garnicht gemalt hat, sondern immer nur so tat, als sei er ein Maler.

Mit seiner gestelzten Sprachweise fiel er auf und in Wirklichkeit war er ein Wohnungsloser, der mal an der Stadtmauer, in Kohlenkarren oder Dampfkesseln übernachtete.

Zu Namenstagen wartete er den Damen auf, hielt eine Rede auf das Geburtstagskind und wurde dann zum Essen eingeladen. Nachdem er sich satt gegessen hatte, nahm er seinen Strauß wieder und verabschiedete sich mit salbungsvollen Worten. "Den Strauß brauche er noch, weil er zu einem weiteren Geburtstag wolle."

Ich denke, die Art des Lebens von Maler Bock brauchte eine besondere Energie, vielleicht die Maler Bock Energie, anderen konsequent eine Rolle vorzuspielen und entsprechend aufzutreten, dabei höflich zu sein und seinen Lebensunterhalt durch andere bestreiten zu lassen. Bestimmt hat er an sich glauben müssen, an sich und seine Malerei, von der es kein überliefertes Bild gibt und wohl auch nie gegeben hat.

Und spielen nicht auch manchmal die Menschen um uns herum, uns eine Rolle vor, um ihren Lebensunterhalt abzusichern?

6 comments:

ahora said...

wenn er dabei liebenswert war, hat er uns einen tollen Spiegel vorgehalten.
Außerdem hat sich wohl jeder gefühlt, wenn er ihn großzügig zum Essen eingeladen hat.
eine hübsche Story.

Liebe Grüße
Barbara

Hexe said...

Erinnert mich irgendwie an die Hochzeitscrasher von heute.

Bettina said...

Vielleicht spielt er das Spiel des Lebens.

Dori said...

Lieber Ray,

ich habe irgendwo mal gelesen:
tu so, als ob Du glücklich bist. Und dann bist Du es eines Tages auch.

Ich habe lange so getan, als sei ich glücklich. Und jetzt bin ich es.

Allerliebste Sonnengrüße
Dori

Kessi said...

Erinnert mich auch ein bischen an Kleider machen Leute.... ja, das war ein pfiffiges Kerlchen und im Grunde hat er noch nicht mal Schaden verursacht, sondern eher noch Freude verbreitet, ein wahrer Lebenskünstler... Ich denke auch, dass viele Menschen eine Rolle vorspielen, eine Rolle, die sie gerne sein möchten, hm, in Wirklichkeit aber gar nicht sind. Und manchmal funktioniert es wirklich... schade, dass ich da nicht pfiffig genug dafür bin :)...

Gabaretha said...

Lieber Ray,
vielleicht hätte er malen können, wenn er es nur versucht hätte. Möglicherweise hätte er berühmt und wohlhabend werden können, wenn er sich nicht davor gefürchtet hätte.
War es nicht viel einfacher nur zu tun als ob?
Vielen Dank für diese interessante Geschichte.
Sonnige Isartalgrüße,
besser und besser,
Gaba