Tuesday, February 10, 2009

Wissen III


"...war ein dunkler See, an dem ich saß und erfüllt war von einem Gefühl des Hasses für diesen Mann. Bislang hatte ich das Gefühl gehabt, ich liebte ihn. Doch ich spürte die Wahrheit ganz genau. Ich liebte ihn nicht, ich hasste ihn. Und zuerst sah ich auf diesen See der Trauer, wie auf einen Ort, in den all meine traurigen Gefühle gelaufen wären. Doch dann merkte ich, dass der See lebte. Der See war mein Mann. In meinen Ohren hallten seine Worte, doch ich blickte gebannt auf diese flüssige dunkle Substanz, von der immer wieder eine peitschenartige Faser zu mir ausholte, die mich traf.“

"Was ich dann sah, erklärte meinen Hass. Die Faser schnitt durch lebende Fasern, meine lebenden Fasern, die süßes Licht, nährendes Licht enthielten. Mir schien als bluteten sie aus und würden dann schwarz. Ich war an einem Ort des Schreckens. Überall verletzte Fasern, durch die nichts mehr floss. Warum nur machst du das?, dachte ich. Die Frage allein veränderte meine Perspektive der Wahrnehmung enorm. "

"Ich sah einen Ausschnitt des dunklen Sees. Der See, der eigentlich mein Mann war. Inmitten des Sees gab es feste Strukturen. Diese Strukturen waren wie Granit. Neugierig berührte ich sie, und im Berühren verstand ich, dass diese Granitstrukturen die Überzeugungen waren, die das Ich meines Mannes ausmachten. Und sie waren nicht verhandelbar. Eher würde er Menschen verlassen, als diese Strukturen in Frage zu stellen. Sie lagen tief unten im See und auf wunderbare Art und Weise war da eine klare Stimme in mir, die mir erklärte, dass mein Mann Jahre brauchen würde das zu erkennen und das es einen Zusammenhang zwischen seiner Art mich zu verletzen und der Granitstruktur gab."

"Liebe bedeutete für ihn, dass eine Frau sich aufzugeben hatte, weil Männer die wichtigeren Menschen wären. Er mochte mich wegen des Vergnügens, das ich ihm bereiten konnte, aber er lehnte meine Form als minderwertig ab. Wenn ich darauf verzichtete mich zu lieben, dann wäre ich ihm gerade recht. Mir wurde die Fruchtlosigkeit meines Wunsches die wahre Liebe zu finden klar. Solange Männer in Frauen keine Menschen sahen, würden sie sie nicht lieben. Ich sah mir dann den Ort meiner Verletzung an. Von außen betrachtet sah mein Energiefeld aus, als hätte jemand von außen eine Bombe in meinen Solarplexus geworfen. Und ich hatte das zugelassen- all die Jahre auf der Suche nach der wahren Liebe."

"Verzweifle nicht, sagte die Stimme in meinem Kopf, den ich momentan nicht spürte und schau hierhin. Ich sah, wie mein Leben aussehen könnte. Frei. Eine glückliche Flamme."

"Seitdem folge ich der Stimme meines Sehens. Ich habe die wahre Liebe gefunden, in mir und ich möchte dich auf den Weg des Sehens bringen, der gar nicht so schwer für Männer zu erreichen ist, weil sie in ihren Obsessionen einfacher strukturiert sind. Macht, Sex, Geld und Aufmerksamkeit, das sind so ihre Wünsche, an denen sie mit mittelmäßiger Einfachheit festhängen und davon befreit - sehen sie. Diese Einfachheit ist ebenso schön, wie die Einfachheit ihrer Obsessionen erschreckend für uns Frauen ist."

"Möchtest du Sehen lernen?"

"Klar, wer möchte das nicht - aber auf Sex, Geld und Aufmerksamkeit verzichten zu müssen, das wäre schon ein hartes Schicksal." Sie lachte und berührte mich. Mir war als bräche der Boden unter mir weg.

6 comments:

Hexe said...

Diese Geschichte ist so fsazinierend. Ich erkenne mich in Ansätzen wieder und bin gespannt wie es weitergeht.

Elfe said...

Sehr interessant Deine Geschichte! Vor allem der Abschnitt mit dem dunklen See und den Granitstrukturen als Metapher für eingefahrene Gedanken- und Lebensmuster spricht mich sehr an.
Liebe Grüsse in Deinen Tag
Elfe

ahora said...

... und ich erkannte, dass alles schlummert gleichermaßen in mann oder frau - umhüllt uns gedankenschwer. heranziehen wollen wir sie (die gedanken), locken, anschauen und freigeben, wie kleine vögel, die wir mit interesse und liebe angeschaut haben.
wer ist der denker der gedanken, der träumer dieser träume?

liebe grüße
barbara

Ray Gratzner said...

Liebe hexe, danke für das Feedback und ich werde mich bemühen den Faden weiter zu treiben...LG Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe elfe, die granitstrukturen sind schon ein bißchen unhandlich... uns Männern könnte mehr Beweglichkeit gut tun...LG Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Barbara, die Meisterin persönlich wirft ihre Fragen ein. Du hast natürlich recht....

Auch wenn es in uns schlummert birgt mann und frau ne Menge Verwirrungspotenzial bis hin zum spirituellen Stillstand.....LG Rainer...