Monday, November 2, 2009

Tapetenlagen


Die Tapeten im ersten Obergeschoss von meinem neuen Domizil müssen runter. Aber das sind nicht nur Tapeten, das sind Zellstoffmonster die in 7 und noch stärken Lagen sich an die Wänder krallen und den Widerstand organisieren.

So halten sie mich tagelang vom Bloggen ab, wenn ich sie einzeln verfolgen muss und jeder Fetzen an der Wand boshafterweisen noch einen kleinen Fitzel stehen lässt. Und wenn man sie anfeuchtet, dann geben sie nach, nur um am Fussboden kleben zu bleiben.

Im Jahre 1922 hat einer die Westfalenpost tapeziert, ein evangelisches Blatt... Dazwischen hat jemand eine Vorliebe für Blumentapeten gehabt und hat teilweise auch Tapeten übergipst. Ja Himmel, kann man den nicht erst die Wand frei machen und dann gipsen? Nein? Was will mir das Universum damit sagen?

Am besten funktioniert das Tapetenablösen, wenn die Tapete gar nicht merkt, dass sie abgelöst werden soll. Hinterhältig schiebe ich den  Spachtel in die buchdeckeldicken Ablagerungen aus der Kaiserzeit und dann löse ich langsam hebelnd die Tapete hoch, so als wollte ich ihr nur ein bisschen den Sitz auf der Wand erleichtern. Aber dann löst sich das zähe Luder plötzlich in großen Stücken, weil der Brei sich selbst nicht missen will...

Ich weiss, man soll die Welt lieben, aber alte Tapetenbahnen müssen auch aus Pandoras Büchse stammen. Von dort gelangten sie in das Obergschoss meines neuen Domizils, um mich weinen zu machen...Schluchz...

8 comments:

Gabaretha said...

Lieber Rainer,
erstmal möcht ich Dir eine Runde Trost spenden.
Der hartnäckige Kampf zwischen breiigen Tapeten, hinterhältigen Spachteln und einem willensstarken Rainer, der den alten Brei los werden möchte, ist sicher mega anstrengend.
Frage:
Wär diese Unternehmung eine gute Gelegenheit mal die Kräfte von Imagination und Visualisierung zu testen?
Entspanne Dich und stell Dir bitte vor, wie sich die Tapeten ablösen sollen - (das ist kein Witz!)
Wie wünschst Du Dir, dass das Material sich verhalten soll?
Stell Dir bitte mit allen Sinnen vor, wie sich die Tapeten leicht und mühelos von der Wand abheben lassen ...und natürlich auch Deine Freude, weil Du schnell und mühelos voran kommst...
Ich wünsch Dir viel Erfolg und herrlich saubere Wände.
Besser und besser,
Gaba

Hexe said...

Das kenne ich gut. Mein Ex und ich haben mal ein altes Haus renoviert. Im späteren Wohnzimmer hing eine etwa 2 Zentimeter dicke Lage Tapeten und Makulatur runter wie an einer Plakatwand. Die Vormieter hatten das Ganze einfach mit Näglen festgeklopft. Als wir das Alles runterholten, kamen wir uns wie Archäologen vor. Die unterste Lage war auch eine Zeitung von 1948.

Viel Erfolg weiterhin.

Ahimsayama said...

Hallöle,

mein erster Gedanke wäre die Steine auszutauchen, die an der Tapete kleben. Der Statik dürfte das keinen Abbruch tun. Geschicht ruht auf einem festen Fundament.
Schon mal an Feuer gedacht?
Es gibt doch diese wunderbaren Gasflaschen mit Brenner!


Liebe Grüße
Ahimsayama

Elisabeth said...

Liebster Rainer,
wenn ich könnte, würde ich vorbeikommen und mit dir darüber lachen - andererseits kann ich zu gut verstehen, dass dir das Lachen vergangen ist ob dieser Arbeit... Aber wie könnte man dich wieder zum Lachen bringen? Denn schließlich ist es dein neues Zuhause, in das das Glück einzieht!
Alles, alles Gute für dich, herzlichst Elisabeth

Ray Gratzner said...

Liebe Gaba, Du hast natürlich Recht, wenn ich eins werde mit der Tapete und den Spachtel intuitiv führe, dann bekomme ich die Tapeten deutlich leichter, wenn auch langsamer runter, aber selbst das langsame Arbeiten passt mir irgendwie...LG Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe H(ex)e da hoffe ich doch sehr, dass die Renovierung nicht der Stein des Anstosses wurde und jeder von euch einen weiteren Tapetenwechsel brauchte...LG Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe ahimsayama, Feuer ist mir immer ein wenig suspekt, aber dennoh herzlichen Dank für den Tipp, man kann ja immer noch etwas dazu lernen...LG Rainer

Ray Gratzner said...

Liebste Elisabeth, danke, dass Du ein positives, glückliches Ende siehst. yop, das Glück soll einziehen...Schöne Vorstellung...LG Rainer