Wednesday, May 5, 2010

Auch wenn ich nicht an das Schicksal glaube, heißt es nicht, dass ich nicht davon erzählen kann

Ein Mann geht auf der Strasse seines Schicksals die ersten Meter, da schüttelt und ergreift ihn ein bebender Schauer und er weint lauthals. Mama, Papa, es ist so hart, dass ich euch begraben muss. Er irrt ein wenig durch die Gegend, dann fasst er wieder Schritt.

Bald schon hat er ein kleines Kind auf seiner Schulter sitzen, dass immer größer wird und nicht abzusteigen geruht. Er begegnet anderen Erwachsenen, die mitunter mehrere Kinder auf ihren Schultern durch die Gegend tragen. Sie gehen furchtbar langsam, aber die meisten sind bereits stehengeblieben und versuchen einfach nur mit der Last aufrecht zu bleiben.

Irgendwann springen die Kinder von den Schultern und sie sind sichtlich angewidert von diesen Salzsäulen, die sie umgeben. So wird auch der Mann auf der Strasse des Schicksals von seinem Kind verlassen, dass schnell in die Welt springt.

Langsam mühsam lernt er wieder laufen und sich zu bewegen, da werden ihm die Kräfte weniger und er wählt seine Strecken mit Bedacht.

Schließlich geht er in eine Sackgasse, die Wände wachsen und am Ende wartet sein Kind mit einer Holzkiste auf ihn, ein wenig ungeduldig fast, denn es beginnt wegen seiner Schulterlasten seine Beweglichkeit einzubüßen.

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Meditation

Ich gleiche einem Ball, der schwerelos auf den Tag seiner Geburt zufällt. Kinderlachen erfüllt mein Ohr. Meine Hände sind Blätter, meine Füße Regen und mein Bauch die Sonne.

4 comments:

Ashmodai said...

Uuuuh....irgendwie sehr bedrückend und kein Weg, den ich gehen will.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? said...

Schöne Geschichte!

Gabaretha said...

Lieber Rainer,
ich finde, der Mann in Deiner Geschichte ist sehr reduziert auf das Wesentliche.
Was mir abgeht und fehlt sind die Gefühle, Farben und Klänge, die das Leben so reizvoll und schön erscheinen lassen. Durch diese add-ons wird so manche Last federleicht.
Sehr interessant finde ich die Vorstellung von einem sonnigen Bauch in Deiner Meditation.
Sonnige Grüße aus dem grauen Isartal,
besser und besser,
Gaba

Grey Owl Calluna said...

Lieber Ray!
Die Lasten kenne ich sehr gut. Aber trotzdem schüttle ich sie von Zeit zu Zeit,...und immer mehr ab, gehe meinen eigenen Weg.
Viele lassen sich von dieser Last viel zu sehr nieder drücken und besinnen sich kaum noch auf ihr eigenes Leben, ihre Entwicklung ihr Sein.
Sicher haben wir immer irgendwelche Verpflichtungen, aber auch eine Schwingung, ein Wort, dass uns vor Überlastung schützen kann. Wir müssen es nur aussprechen. "Nein."
Sei lieb gegrüßt
Grey Owl