Wednesday, November 23, 2011

Ver-laufen

Für manche Tage gilt bei mir: Ich habe mich verlaufen.

Die Welt um mich herum ist im Wandel. Mir erzählen Bekannte, wie sich die Arbeitswelt verändert, wie der Arbeitsdruck erhöht wird, aber der Respekt vor den Mitarbeitern, die mehr Leistung bringen, auf der Strecke bleiben.

In den Haushalten der 50er Jahre waren weniger Haushaltsgegenstände als in heutigen Haushalten, doch viele Menschen hatten eine Arbeit mit Festvertrag und sie hatten Chefs, die das Wohl der Mitarbeiter noch ernst nahmen. Nach einem verlorenen Krieg, da war noch klar, dass es darum geht, dass alle besser leben können.

Das ist lange vorbei, der Krieg ist vergessen und der Krieg um die Herzen der Menschen ist auch entschieden. Konsum und Profit beherrschen den alltäglichen Moment.  Liebe wird durch Shopping ersetzt und  das Gefühl ein wertvolles menschliches Leben wird durch die Menge an Geld, die ich heute verdient habe ersetzt. Kein Geld, kein Wert, kein Konsum, keine Liebe. Da verstehe ich schon, warum erwachsene Männer Videos von sich in das Netz stellen, wo sie Liebe mit einer Gummipuppe haben. Es sind nicht mehr die Menschen, um die es geht. Alles wird zum Gegenstand des Konsums.

Inmitten all dieser hypnotisierten Menschen, die heute den Arbeitsplatz ihres Bruders Kain für einen -vielleicht- Aufstieg in der Zukunft verkauft haben, meine innere Mitte zu behaupten, meinen Schwerpunkt in wehrhafter Liebe zu verwurzeln und die Konsumparolen ins Nirvana zu schicken, wo sie am Ende des Universums, im Dunkel und der Kälte der sonnenlosen Weiten für Deutschländer und Maggisuppen trommeln können, das alles ist Arbeit, die sich lohnt.

17 comments:

Anonymous said...

Es ist heute nicht mehr leicht, das Leben ist komplizierter geworden, oft machen es sich die Menschen auch selber schwer, aber im Grossen und Ganzen, geht es den Menschen um eingeds besser als nach dem Ktieg. Der Mensch von Heute ist verwöhnt, und er wäre nicht mehr fähig das Leben nach dem Krieg zu leben.
Es ist auch eine ganz andere Welt und das Leben ist auch heute nicht leicht.Man kann sich heute so richtig im Leben verlaufen
Liebe Grüsse Erwin

AnnaFelicitas said...

Hallo lieber Rainer,

auch ich treffe beinahe täglich auf Menschen, die das was um uns herum geschieht, nicht mehr nachvollziehen können und/oder mögen. Auf Menschen, die sich unglücklich an ihre Arbeitsplätze schleppen. Auf Menschen, die nach dem Sinn des Ganzen fragen. Und immer häufiger treffe ich auf Menschen, denen Konsum und Kommerz rein gar nichts mehr geben. Diese werden immer mehr (und manche von ihnen auch immer lauter). Ich bin davon überzeugt, dass wir uns vom Abgrund der kalten Ichbezogenheit weg- und hin zu einer neuen Form des sozialgesellschaftlichen Miteinanders bewegen. Betrachte ich diese globalen Vorgänge um uns herum insgesamt als Geburtsvorgänge, dann erklären sich deren schmerzhafte und zyklische Bewegungen quasi von selbst. Ob wir am Ende Großes erwarten, und der Zukunft insgesamt entspannt und freudig entgegensehen dürfen, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Solange wir Menschen jedoch fähig sind zu lieben, uns auszutauschen und gemeinsam etwas zu schaffen, glaube ich daran!

Alles Liebe
Anna

Irmi said...

Lieber Rainer,
je älter man wird, desto mehr merkt man, dass viele Werte verloren gegangen sind, die für uns noch Bedeutung hatten. Immer mehr nehmen Neid und Missgunst zu. Aber das ist die Zeit - die uns verändert!
Liebe Grüße
Irmi

Postpanamamaxi said...

Günter Eich hat es in seinem Gedicht "Wacht auf" so treffend beschrieben und warnt davor, nicht leeren Herzens zu sein, wenn mit der Leere der Herzen gerechnet wird.

Er schrieb dies 1950, als sich die junge Bundesrepublik gerade erst auf den Weg ins Wirtschaftswunder aufmachte.

Es ist unbequem und anstrengend, Sand im Getriebe der Mächtigen zu sein. Selbst zu denken, statt denken zu lassen. Eigene Wege zu finden und zu gehen, anstatt der Masse auf der Autobahn durchs Leben zu folgen.

Innere Wahrhaftigkeit kann einem helfen, den richtigen Weg zu finden.

Und ja, lieber Ray, ich frage mich auch oft, wo gerade diese Wahrhaftigkeit geblieben ist, während um mich herum soviele ums goldene Kalb tanzen, weil ihnen der Glauben an das fehlt, was nicht sichtbar, aber die Essenz des Lebens ist.

Elisabeth said...

Lieber Rainer,

danke dir, unglaublich... ähnliche Gedanken habe ich gestern auch gedacht... Was ist nur aus den Menschen geworden... ich will sie und mich selbst erinnern... aber leicht ist es nicht...

Liebste Grüße zu dir,
Elisabeth

Grey Owl Calluna said...

Lieber Ray!
Die Menschen haben keine Zeit mehr für das wirklich Wesentliche. Sie sind zu beschäftigt,und die Werbung zeigt ihnen was wichtig für sie ist. Da braucht man nicht mehr lange zu überlegen.....und dann wird gehetzt....von einem Termin zum anderen....und das,...macht auch nicht vor dem angeblichen Nirvana halt.
Liebe Grüße
Grey Owl

Norbert said...

Ob du Dich wirklich ver-laufen kannst, Rainer? wage ich zu bezweifeln.

Du kannst laufen, kommst immer dorhin, wo Dich die Quelle hinführt.

Du hast nur besser als andere begriffen, dass noch viele Menschen in der Zeitquantität(Chronos) verhaftet sind, währden Du Dich mehr der Zeitqualität Kairos zugewendet hast.
Das ist Wahrnehmung und nicht ver-laufen :-)

LG
Norbert ;-)

Das Kreativ-Team said...

Lieber Ray,

du sprichst mir aus dem Herzen! Dennoch werde ich nicht müde für die Liebe, das Miteinander, den Respekt, der Genügsamkeit, der Ruhe und der Wertschätzung des anderen zu kämpfen.
Wir alle sind ein Rädchen der Zeit - ob jung oder alt - dennoch können wir alle frei wählen, gebrauchen wir denn ab und dann uns Hirn.
Alles Liebe,
Sabine (Südseite des Kreativ-Teams)

Ray Gratzner said...

Lieber Zentao,

stimmt, uns geht es heutzutage um einiges besser als nach dem Krieg. Und den Fortschritt würde ich nicht missen wollen.

Außer sich zu verlaufen ist natürlich auch der Friede da, seine inneren Angelegenheiten so zu betreiben wie man möchte...

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Anna,

was für eine schöne Vision Du in Deinem Kommentar zeichnest. Wir inmitten einer Geburtswehe zu einem Zeitalter der Herzlichkeit - gerne und mehr davon.

Liebe Grüße ins Land der Zauberwesen...
Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Irmi,

die alten Werte sind ja gar nicht so alt und doch sehr sehr alt.

Wir werden sie gemeinsam hochhalten liebe Irmi...

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Postpanamamaxi, mit Deinem Kommentar hast Du mich berührt. Ja, ein wenig Sand im Getriebe zu sein, dass ist eine verdienstvolle Angelegenheit und schon in den 50ern war das Thema Konsum ein kontroverses Thema, dass auch Ängste ausgelöst hat - wo das einmal alles hinführen soll und so..

Jop, die Wahrhaftigkeit, die halten wir dann mal hoch nech?

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Elisabeth,

wir schwingen einfach wie Mitglieder einer Familie...mit einem Thema...

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Rosi,

vielleicht ist das auch ein Mangel an Vorbildern. Du musst einfach ein bisschen berühmter werden ;-) Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Lieber Norbert,

da habe ich mal wieder ein paar Worte gelernt, Du bist ein steter Born beständiger Erkenntnis für mich. Viele liebe Grüße an Dich
Rainer

Ray Gratzner said...

Liebes Kreativ-Team,

vielen Dank für diese Ermutigung, die mir viel wert ist, zumal ich weiß, dass Ihr Euch tagtäglich für ein besseres Heute einsetzt...

Liebe Grüße Rainer

Jacky said...

Für manche Tage gilt: ich bin genau richtig!
Schön, Deinem Blog über den Weg zu laufen.