Sunday, November 9, 2008

Schrumpfherz

Der Mensch mag tun und leiden, was es auch sei, er besitzt immer und unveräußerlich die göttliche Würde. Christian Morgenstern


Da sitzt ein Landstreicher am Wegesrand. Er bittet um Geld. Manche Bürger machen einen Bogen um ihn.

Ist sein Leben weniger wert, als dass der Menschen, die Geld verdienen.
Sind seine Träume für die Menschheit weniger wichtig?
Gibt es Leben, die mehr wert sind als andere?

Waren unsere Vorfahren vor mehreren tausenden Jahren nicht auch ohne Arbeit und festen Wohnsitz? Waren sie weniger wert, als diejenigen von uns, die in einem Haus wohnen?

Ist es vielleicht Furcht? Furcht, die Armut könnte auf uns überspringen wie ein Virus? Furcht, die paar Cents, die wir geben, würden uns zwingen uns einzuschränken? Wohl kaum.

Zu kleines Herz, Schrumpfherz.

Doch Gott sei Dank lässt sich ein Herz trainieren. Welche Übungen fielen Dir ein?

Fliege


Eine kleine Fliege lebte lustig in den Tag. Auch wenn uns Menschen das Leben der Fliegen kurz erscheint, so erlebte die Fliege ihr Leben als sehr lang, denn Momente die den Menschen sehr kurz erscheinen, kamen ihr wie Ewigkeiten vor.

Die Fliege liebte die Sonne und sie fand im hellichten Tageslicht alles, was sie zum Leben brauchte. Doch sie war wie magisch angezogen von dem Geheimnis eines dunklen Loches in der Erde. Immer wieder flog sie dort hin, krabbelte am Rande des Eingangs rum und fürchtete sich. Doch langsam sammelte sie Mut und ihre Neugier auf das dunkle Geheimnis überwog schließlich.
Sehr lange Zeit verbrachte sie in der Dunkelheit. Sie krabbelte unendlich lange in dem Loch umher, ohne ein Auflösung des Geheimnisses zu finden. Doch sie hatte das Gefühl etwas Großem auf der Spur zu sein.

Müde und hungrig kroch sie aus dem Loch und sah ihre Artgenossen am Himmel. Sie stieg in die Luft und erzählte den anderen von ihren Erlebnissen.

"Was willst Du im Dunkeln, wo hier so herrlich die Sonne scheint. Komm alter Hungerhaken, hau dir den Bauch voll und genieße das Leben."

Das machte die Forscherfliege sehr traurig. Sie flog zurück zum Loch und warf ihre Flügel ab.
"Fortan will ich keine Fliege mehr sein. Ihr Narren, rief sie in den Himmel. Wovon habt ihr eine Ahnung?" Dann ging sie zurück in das Loch und forschte weiter.

Irgendwann starb die Fliege an Hunger und Durst ohne das Geheimnis gelöst zu haben. Über ihr in der Luft kreisten ihre Brüder und Schwestern, sorglos....
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Kein Geheimnis wird je unsere Natur ändern.

Friday, November 7, 2008

Wenn...


Wenn der sonnige Schatten traumhafter Schemen
Seine Bedeutung in die Haut meiner
Inneren Schale schreibt
Fühle ich die Kälte...

Wenn die kalte Luft eines frostigen Winters
Durch die engen Pfade meines
Eigensinns Verstandes eilt
Fühle ich das Alter..

Wenn ich Glauben, Freunde und Familie verliere
Wenn zweifelnde Gefühle ihre Hände auf
Mein schrumpfendes Herz legen
Fühle ich die Furcht...

Die Flamme der Liebe vollbringt jede Tat
Zu groß für ängstliche Lichter
Durch jede kleine Narbe scheint
Vertrauen durch

Sunday, November 2, 2008

Der Abgrund



Ein kurzer Blick über den Wegesrand genügte. Diese Schlucht ging einige hundert Meter in die Tiefe. Schrecklich. Martin spürte sein Herz klopfen und gleichzeitig breitete sich der Schmerz in seiner Brust aus. Gerade eben hatte er den Anruf auf seinem Cellphone erhalten. Die Liebe seines Lebens wollte fortgehen - heim. Sie kam aus einem anderen Land und es war unklar ob er sie jemals wieder sehen würde.

Martin lugte über den Rand und blickte auf den verwitterten Baumstamm, der die Schlucht überspannte. "wenn ich hier herunterfalle, dann werde ich Laura auch ein Leben lang nicht wiedersehen." Martin spürte seine Höhenangst in den weich werdenden Knien. Er setzte sich.
"Zurück gehen kann ich nicht, denn dann wird Laura bereits gefahren sein. Einen anderen Weg laufen der ungefährlich ist, ist keine Lösung. Ich bin dann auch zu spät. Es gibt nur eins. Ich muss über diesen Baum und ich muss es bald tun oder sie wird fort sein."

Martin erhob sich und ging mutig mit schnellen Schritten voran. Ein Marienkäfer flog an ihm vorbei. Martin bemerkte ihn nicht, denn sein Blick hing auf der sicheren anderen Seite der Schlucht, das seine Rettung sein würde.

Da klingelte sein Cellphone. Unwillkürlich blickte er hinab zur Hose und sah in den gähnenden Abgrund. Die Knie wurden weich. Martin zerrte das Cellphone aus der Hosentasche und drückte den Knopf. "Ich werde Hilfe rufen können", dachte er, als er wie in Zeitlupe sich selber vom Baum rutschen sah.

Während er Fahrt aufnahm, dem Boden entgegen, dachte er, "Was soll's, jetzt kann ich in Ruhe telefonieren."

"Martin."

"Ja."

"Laura?", sein Herz freute sich, sie war es.

"Ich wollte Dir Bescheid sagen, dass ich bleibe. Freust Du dich?"

Martins Tränen wurden vom Flugwind in die Haare gedrückt. Er nickte und spürte den Widerstand des Windes. "Ja Laura - Ich freue mich, als wäre es das letzte Mal auf Erden."
Der Boden kam näher und der Fahrtwind ließ seine Hosen so flattern, dass es wie ein rhythmisches Klopfen klang.

" Du klingst deprimiert. Ist alles in Ordnung Martin? Manchmal musst Du dem Leben nur vertrauen und Dich fallen lassen."

Martin schlug auf und fand sich auf dem Hotelboden wieder. Es klopfte ungeduldig an der Tür. Verdattert ging Martin zur Tür und öffnete sie. Laura stand da.

Laura stutzte, übersah dann geflissentlich die sparsame Bekleidung Martins. "Martin, daheim ist etwas passiert. ich muss nach Hause."

Martin fiel ein, dass er gerade für diese Frau gestorben war. "Ich liebe Dich", rief er ihr zu. "Ich liebe Dich. Ich liebe Dich." Er lachte und schluckte. "...liebe Dich", flüsterte er.

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Lieber Leser, und was antwortet Laura?

Saturday, November 1, 2008

Marienkäfer

Bild: Jon Sullivan (PD-PDphoto.org]

Ein kleiner Marienkäfer flog hoch in den Himmel. Das Fliegen machte ihm Spaß. Er flog so hoch, dass er die Erde nicht mehr erkennen konnte, denn er war ein bißchen kurzsichtig.

'Die Welt ist blau, voller Luft und leer und ich liebe es zu fliegen, in all diesen Weiten', dachte der Marienkäfer.

Der Marienkäfer begegnete einem Adler und eine Weile flog er mit ihm dahin, doch der Adler bemerkte ihn nicht, denn der Adler war weitsichtig.

Schließlich wurde der Marienkäfer müde und durstig und er ließ sich zur Erde zurückfallen. Hungrig suchte er sich eine schöne grüne Pflanze, setzte sich auf ein schwankendes Blatt und verspeiste ein paar Blattläuse. Als er satt war, sah er sich um und sagte, "die Welt ist grün, duftend und schwankend. Die Welt ist so wunderbar, denn sie ändert sich immer wieder."

So lebte der Marienkäfer sein lustiges Leben, doch dann spürte er, dass sein Lebensende nahe war. Er fühlte, dass er eine Quintessenz des Lebens aussprechen sollte.

"Hmm", sagte er, "Mal ist die Welt eine leere luftige Wüste, in der Dich niemand sieht, dann wieder gleicht sie einem nicht endend wollenden Blattlausbuffet. Nun da ich sterben muss scheint es mir doch mehr, als sei die Welt nur eine bunte Ablenkung gewesen."

Er seufzte.

"Jetzt muss ich sterben und ich weiss nicht wozu ich gelebt haben soll."


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Sterblichkeit wird nicht erfahren, während wir leben. Wenn wir wissen wollen, warum wir leben, müssen wir verstehen, warum wir sterblich sind.