Monday, January 11, 2016

Am Scheideweg des Lebens



Am Scheideweg des Lebens
begegnete ich mir
und mir
Der Eine wollte sterben,
stürmend
Der Andere wollte leben,
liebend

Am Scheideweg des Lebens
begegnete ich Dir
und Dir.
Die Eine wollte Leidenschaft
ohne Ende
Die Andere den Himmel
hier bei mir

Am Scheideweg des Lebens
blieb mir keine Zeit
vorbei
Ich blicke rasch zurück
auf den Beginn
Von dort sehe ich
nur Zukunft

Am Scheideweg des Lebens
bin ich nicht
dabei
Am Scheideweg des Lebens
da bin ich seltsam
frei

In 2015 sind einige Menschen, die ich kannte gestorben. Ein zweifelhaftes Privilieg des Älterwerdens ist der Blick auf die Pyramide, der vom Boot des Lebens gefallenen. In meinen Meditationen spürte ich ihre Pein, spürte ich ihr Unbehagen, wenn das Ende näherrückte.

Leider wird es 2016 wohl auch nicht besser werden, und so sage ich den 2015er Tschüß und hoffe darauf, dass alle Menschen, denen heute der Tod näherkommt sich dem zuwenden, was sie im Leben fest verankert, Liebe, ein Weg mit Herz, und die Neugier auf das, was morgen sein wird.


Sunday, January 10, 2016

Die ausgedachte Geschichte - Tante Gerda und der schwarze Mann

Die Sonne ging gerade auf als ich durch die ersten Geräusche des Tages wach wurde. Etwas stimmte nicht an diesem Morgen. Etwas war anders. Als ich mich im Bett aufsetzte und durch das Fenster dankbar in das Schauspiel des steigenden Feuerapfels blickte, da sah ich durch den Garten eine dunkle Gestalt schleichen, die eine lange Kette hinter sich her zog. Das Rasseln der Kette hatte einen dämonischen Klang, der in meinem Kopf die Illusion von Zahnschmerzen erzeugte.

Mein Herz fing an zu klopfen und von einem Moment auf den anderen war ich wach. Der Tag der Prophezeiung war gekommen.

Meine Tante mütterlicherseits, Tante Gerda hatte an meinem Kinderbettchen vorausgesagt, dass ich eines Tages von einem schwarzen Kettenmann in den Tod gerissen würde.

Nun ´war Tante Gerda das Enfant-terrible der Familie gewesen und weil sie gerne so viel trank, wie zwei Kerle und so viele Drogen ein warf, wie ein Junkie, hatte ihr niemand geglaubt. So sagten sie es jedenfalls. Aber alle erzählten die Geschichte immer und immer wieder, so als ob sie stimmen würde. Und ich hatte das Mitleid in ihren Augen gesehen. Der arme Junge, was für ein Schicksal ihn erwartete.

Ich sprang auf hechtete in die Diele. Dort stand seit Jahren ein Baseballschläger, der für den schwarzen Mann bestimmt war. Ich griff ihn. Das Holz war glatt und rund.  Er wog schwer in meiner Hand und ich fragte mich, ob er ausreichen würde den schwarzen Mann wieder dorthin zu schicken, wo er her gekommen war:  In die Delirien-Vorstellungen meiner Tante.

Es klingelte. Ich war im Schlafanzug, dennoch öffnet ich die Tür vorsichtig.  Der Bezirksschornsteinfeger lächelte mir zu. "Er müsse dann mal an den Schornstein und die Heizungsanlage", sagte er und trat ohne weiteres in die Diele ein.

Er ignorierte meinen Baseballschläger, murmelte er kenne den Weg und machte sich von dannen.. Ich schaute noch einmal nach draußen, aber dort war keine weitere Person. So schloss ich die Tür und lief zurück an das Fenster, von wo aus ich im Aufwachen einen schwarzen Mann mit Kette gesehen hatte.

Plötzlich hörte ich einen lauten Schmerzensschrei. Ich warf den Baseballschläger fort, mit dem ich mir albern vorkam und lief in Richtung Schreie, die vom Dachboden kamen. Auf dem Dachboden angekommen bot sich mir ein Anblick des Schreckens. Der Schornsteinfeger war nicht zu sehen und der alte Schornstein schien eingebrochen zu sein, so als ob er auf dem Dachboden umgefallen wäre, wie ein kleines Türmchen, dessen Zeit gekommen war.

Den Schornsteinfeger sah ich nicht aber ich hörte sein Rufen. Ich trat auf den Rumpf des Schornsteins zu und sah ungläubig den Schornsteinfeger, der an einer Art Kette im Schornstein zu baumeln schien.

"Ziehen sie mich hoch", schrie er.  Dabei deutete er mit dem schmerzverzerrten Gesicht auf etwas, was wie ein Kette auszusehen schien. Er hielt sich mit einer Hand daran fest, der andere Arm hing schlaff herunter, so als ob etwas gebrochen wäre.

Eine Gänsehaut von einem déja vu erfasste meinen ganzen Körper, der schwarze Mann, seine Kette alles war da. Hier und jetzt würde mein Leben enden, dachte ich erschreckt.
Doch dann entschloss ich mich dass nicht annehmen zu wollen. Bewusst suchte ich mir einen anderen Punkt am Schornstein, weit von der Kette entfernt und es gelang mir die Jacke des Schornsteinfegers zu packen und ihn mit einer gewaltigen Kraftanstrengung herauszuziehen. In dem Moment wo der Schornsteinfeger auf dem Dachboden sicher wieder lag, da stürzte ein weiterer Teil des Schornsteins in den dunklen Schlund des Kamins. "Nur gut, dass sie nicht meinem Vorschlag gefolgt sind. Wir wären jetzt beide im Kamin verschwunden."

Ich nickte und schaute nach Luft schnappend in den Schornstein. "Danke Tante Gerda", sagte ich laut. "Danke."
Seither habe ich meine Tante wieder lieb und ich fürchte keine schwarzen Männer mit Ketten mehr. Na ja, was will ich mehr....

Thursday, December 31, 2015

Viele Menschen leben ein Leben der Konkurrenz. Sie richten Ihr Handeln an Ihrer Einschätzung aus, dass sie etwas haben, tun, erleben, was besser ist als das, was andere tun und erleben. Sie sind die fleischgewordene Konkurrenz, deren Lebensfreude eigentlich Schadenfreude ist.

Begleitet und gewürzt wird dieses Temperament mit Angst vor Verlust - weil der Verlust die selbst erdachte Rangreihenfolge schnell mal in Unordnung bringen könnte.

Dabei ist mal eines klar, sobald ich nur tue, was mir Spaß macht und was mein Herz ernährt, da ist mir doch egal, ob andere dasselbe oder das Gleiche tun - oder? Da geht jede Konkurrenz an mir spurlos vorbei, weil ich mich wohlfühle so wie ich bin und lebe.

Wo immer ihr seid, folgt eurem Herzen, egal was das soziale Ranking sagt, egal wieviele Leute euch eine Konkurrenz anbieten.

Wenn das 300PS Auto auf der Autobahn das 40 PS Auto schneidet,
wenn die 1te Klasse im Zug leer ist, während in der 2ten Klasse kein Stehplatz mehr zu finden ist,
wenn Dir jemand den Parkplatz wegschnappt - egal. Auf die Herzen kommt es an. Ein liebevolles Herz konkurriert nicht.


Liebe Grüße Ray


Sunday, October 19, 2014

Erwartungen

Das was eine Gesellschaft zusammenhält, sind die Erwartungen der Anderen. Das wovor die Gesellschaft sich am meisten fürchtet ist, dass der Einzelne seinen Erwartungen folgt.

Saturday, October 18, 2014

Das schwarze Aquarium

Im schwarzen Wasser treiben Leuchtfischchen hin und her.

Die meisten schwingen im Takt der Dünung.  

Viel schwarzes Wasser nimmt den Fischen die Sicht auf sich selber.

Andere Fischchen haben geheimnisvolle Blasen um sich herum geschaffen. 

Das schwarze Wasser beeinträchtigt so weniger ihren Weg durch das feuchte Umfeld.  

Sie scheinen nach innen zu blicken.  

Das Innen gefüllt mit mildem sanften Licht.  

Unbeirrt spucken sie unermüdlich schwarzes Wasser aus, das von so vielen Fischchen, um sie herum so eifrig aufgenommen wird, bis die Trinkenden ganz dunkel geworden stehen bleiben. Keinen Weg erkennend stehen sie zu Tausenden und Abertausenden dicht nebeneinander gepackt und warten, dass es Licht wird. 



                                           Bild: Gerd Altmann Aus Freiburg, Deutschland