Thursday, January 14, 2016

Die Herde der Raubtiere

Alle Menschen sind gleich.

Alle Menschen sind Raubtiere. Unsere Augen sind so angeordnet wie es bei Raubtieren üblich ist. Wir bemerken es immer wieder, dass wir Raubtiergefühle in uns tragen. Doch wenn diese Raubtiergefühle an den Tag kommen, dann ist es uns manchmal hinterher wieder peinlich.

Diese Pein spüren wir aus dem Herdentier heraus, dass instinktiv weiß ohne andere nicht überleben zu können. Wenn wir das Raubtier an anderen Menschen herauslassen, dann schwächen wir die Herde..

Niemals sollte man Menschen die "friedlich und brav" erscheinen, mit einfachen Herdentieren verwechseln, so wie es manche Politiker mit ihrem Wahlvolk tun. Denn allen ist es gegeben sich zum Raubtier zu wandeln, wenn es sein muss.

Wenn wir mal wieder "angefaucht" werden oder "ungerecht behandelt werden, dann sehen wir vielleicht die Raubtierseite eines anderen Menschen. Vielleicht ist es dann an der Zeit, den anderen daran zu erinnern, dass er alleine auch nicht weit kommt....

Bild Public Domain von X posid

Wednesday, January 13, 2016

Der Traum des Lebens

Das wir alle aus Sternenstaub bestehen, diese Formulierung wird seit Jahren immer wieder gern verwendet.

Aber wir alle sind nicht nur aus Sternenstaub, wir sind auch alle Kinder und Eltern zugleich unserer Träume. Wir träumen sie und sie träumen uns.  Und das uns Träumen passiert, das ist genauso umwerfend wie der Genuss von Schokolade, Kaffee oder Tee - als wunderbare, belebende Teile unseres Lebens - Teile unseres magischen Vermächtnisses.

Wie der Sternenstaub Hinweis auf die hellen Sonnen ist, die vergingen, so sind die Träume Hinweise auf das innere Feuer, dass noch in uns brennt.

Allzeit erfüllte lichte Träume wünscht Euch Ray - Das Leben ist ein Traum




Bild Public Domain von Kevin Philipps

Tuesday, January 12, 2016

Wenn das innere Kind einschläft

Winterzeit - Zeit der Einkehr - Zeit der Verarbeitung.

Gestern hatte ich Gedanken zum Thema Tod geäußert. Mir fällt zu dem Thema noch eine Beobachtung ein.

Je näher ein Mensch seinem Ende gekommen ist, umso sicherer ist sein inneres Kind eingeschlafen. Ich persönlich glaube, das der kräftigste Teil von uns allen, das innere Kind, das Ende einleitet, indem es einschläft. Danach fehlt uns sehr viel innere Energie.

Das Zähmen des inneren Kindes ist Bestandteil der Domestizierung der Menschen. Wir Erwachsenen legen die Kinder im Inneren in Ketten, weil wir den Glauben teilen, dass die ungestüme spielerische Energie den täglichen wirtschaftlichen Ablauf der Menschen stört.

Das, was die Wirtschaft so berechenbar macht, trennt uns aber auch vom inneren Kind und wir erkennen so vielleicht auch erst zu spät, das es eingeschlafen ist.


Bild: Public Doman von Dawn Hudson

Monday, January 11, 2016

Am Scheideweg des Lebens



Am Scheideweg des Lebens
begegnete ich mir
und mir
Der Eine wollte sterben,
stürmend
Der Andere wollte leben,
liebend

Am Scheideweg des Lebens
begegnete ich Dir
und Dir.
Die Eine wollte Leidenschaft
ohne Ende
Die Andere den Himmel
hier bei mir

Am Scheideweg des Lebens
blieb mir keine Zeit
vorbei
Ich blicke rasch zurück
auf den Beginn
Von dort sehe ich
nur Zukunft

Am Scheideweg des Lebens
bin ich nicht
dabei
Am Scheideweg des Lebens
da bin ich seltsam
frei

In 2015 sind einige Menschen, die ich kannte gestorben. Ein zweifelhaftes Privilieg des Älterwerdens ist der Blick auf die Pyramide, der vom Boot des Lebens gefallenen. In meinen Meditationen spürte ich ihre Pein, spürte ich ihr Unbehagen, wenn das Ende näherrückte.

Leider wird es 2016 wohl auch nicht besser werden, und so sage ich den 2015er Tschüß und hoffe darauf, dass alle Menschen, denen heute der Tod näherkommt sich dem zuwenden, was sie im Leben fest verankert, Liebe, ein Weg mit Herz, und die Neugier auf das, was morgen sein wird.


Sunday, January 10, 2016

Die ausgedachte Geschichte - Tante Gerda und der schwarze Mann

Die Sonne ging gerade auf als ich durch die ersten Geräusche des Tages wach wurde. Etwas stimmte nicht an diesem Morgen. Etwas war anders. Als ich mich im Bett aufsetzte und durch das Fenster dankbar in das Schauspiel des steigenden Feuerapfels blickte, da sah ich durch den Garten eine dunkle Gestalt schleichen, die eine lange Kette hinter sich her zog. Das Rasseln der Kette hatte einen dämonischen Klang, der in meinem Kopf die Illusion von Zahnschmerzen erzeugte.

Mein Herz fing an zu klopfen und von einem Moment auf den anderen war ich wach. Der Tag der Prophezeiung war gekommen.

Meine Tante mütterlicherseits, Tante Gerda hatte an meinem Kinderbettchen vorausgesagt, dass ich eines Tages von einem schwarzen Kettenmann in den Tod gerissen würde.

Nun ´war Tante Gerda das Enfant-terrible der Familie gewesen und weil sie gerne so viel trank, wie zwei Kerle und so viele Drogen ein warf, wie ein Junkie, hatte ihr niemand geglaubt. So sagten sie es jedenfalls. Aber alle erzählten die Geschichte immer und immer wieder, so als ob sie stimmen würde. Und ich hatte das Mitleid in ihren Augen gesehen. Der arme Junge, was für ein Schicksal ihn erwartete.

Ich sprang auf hechtete in die Diele. Dort stand seit Jahren ein Baseballschläger, der für den schwarzen Mann bestimmt war. Ich griff ihn. Das Holz war glatt und rund.  Er wog schwer in meiner Hand und ich fragte mich, ob er ausreichen würde den schwarzen Mann wieder dorthin zu schicken, wo er her gekommen war:  In die Delirien-Vorstellungen meiner Tante.

Es klingelte. Ich war im Schlafanzug, dennoch öffnet ich die Tür vorsichtig.  Der Bezirksschornsteinfeger lächelte mir zu. "Er müsse dann mal an den Schornstein und die Heizungsanlage", sagte er und trat ohne weiteres in die Diele ein.

Er ignorierte meinen Baseballschläger, murmelte er kenne den Weg und machte sich von dannen.. Ich schaute noch einmal nach draußen, aber dort war keine weitere Person. So schloss ich die Tür und lief zurück an das Fenster, von wo aus ich im Aufwachen einen schwarzen Mann mit Kette gesehen hatte.

Plötzlich hörte ich einen lauten Schmerzensschrei. Ich warf den Baseballschläger fort, mit dem ich mir albern vorkam und lief in Richtung Schreie, die vom Dachboden kamen. Auf dem Dachboden angekommen bot sich mir ein Anblick des Schreckens. Der Schornsteinfeger war nicht zu sehen und der alte Schornstein schien eingebrochen zu sein, so als ob er auf dem Dachboden umgefallen wäre, wie ein kleines Türmchen, dessen Zeit gekommen war.

Den Schornsteinfeger sah ich nicht aber ich hörte sein Rufen. Ich trat auf den Rumpf des Schornsteins zu und sah ungläubig den Schornsteinfeger, der an einer Art Kette im Schornstein zu baumeln schien.

"Ziehen sie mich hoch", schrie er.  Dabei deutete er mit dem schmerzverzerrten Gesicht auf etwas, was wie ein Kette auszusehen schien. Er hielt sich mit einer Hand daran fest, der andere Arm hing schlaff herunter, so als ob etwas gebrochen wäre.

Eine Gänsehaut von einem déja vu erfasste meinen ganzen Körper, der schwarze Mann, seine Kette alles war da. Hier und jetzt würde mein Leben enden, dachte ich erschreckt.
Doch dann entschloss ich mich dass nicht annehmen zu wollen. Bewusst suchte ich mir einen anderen Punkt am Schornstein, weit von der Kette entfernt und es gelang mir die Jacke des Schornsteinfegers zu packen und ihn mit einer gewaltigen Kraftanstrengung herauszuziehen. In dem Moment wo der Schornsteinfeger auf dem Dachboden sicher wieder lag, da stürzte ein weiterer Teil des Schornsteins in den dunklen Schlund des Kamins. "Nur gut, dass sie nicht meinem Vorschlag gefolgt sind. Wir wären jetzt beide im Kamin verschwunden."

Ich nickte und schaute nach Luft schnappend in den Schornstein. "Danke Tante Gerda", sagte ich laut. "Danke."
Seither habe ich meine Tante wieder lieb und ich fürchte keine schwarzen Männer mit Ketten mehr. Na ja, was will ich mehr....