Sunday, January 9, 2011

Es war einmal ein kleiner Junge


Es war einmal ein kleiner Junge, den seine Mutter stets zum Wasserholen zum Brunnen schickte. Der Weg war weit und Wasser holen war Frauenarbeit und doch ging der Junge stets brav Wasser holen, weil er seine Mama so lieb hatte.  Der Vater sah es gar nicht gerne, dass der Junge soviel Zeit mit Frauen verbrachte. Er grummelte und blickte finster, aber er fand keine Worte, wie er es seiner Frau verbieten sollte, den Jungen zum Wasserholen zu schicken.

Wenn der kleine Junge träumte, dann träumte er davon, dass die Erde ein Garten mit vielen Brunnen sei und dass wir Menschen auf der Welt wären, um das kostbare Nass so gut wie möglich zu verteilen.

Dann aber kam der böse König aus dem Nachbarland Bösonien und überzog das Land mit Krieg. Da wurde auch der Junge zum Kriegsdienst eingezogen und plötzlich war er in keiner Kleinstadt mehr, sondern er war einer unter vielen anderen starken Männern, die alle eines gemeinsam hatten. Sie mochten keine Frauenarbeiten.

Der junge Mann suchte beim Militär stets die Nähe zum Wasser. Er meldete sich freiwillig zum Wasserholen, zum Küchendienst und vielem mehr, sodass es nicht lange dauerte, und die bösen starken Männer machten ihn zum Küchenchef. Sie begriffen, dass der Junge es alleine verstand, wie man im Krieg gut zu leben vermochte.

Wenn der kleine Junge im Krieg träumte, dann träumte er davon, dass die Erde ein Garten war, mit vielen wilden Tieren darin. Da aber alle Tiere trinken mussten, gab es in jedem Tier die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden der Tränke und dort war der Junge mit seinen Speisen und Getränken und so verstand er es, dass Frieden auf Erden wäre, wenn alle satt geworden wären.

Dann kam der Abend der Entscheidungsschlacht. Die feindlichen Heere lagen einander gegenüber im Nebel und der böse König ging in der Nacht von Zelt zu Zelt und zu den Wachen, um Mut in die Herzen der Männer zu legen. Dabei kam er auch zu einem Brunnen und traf dort den jungen Mann, der im Nebel Wasser schöpfte.

Der König, der ihn für einen der Seinen hielt, fragte:" Und Junge, hast du Angst?"

"Ach, i wo, sie werden kämpfen und sich anstrengen, am Ende der Schlacht sind sie hungrig und durstig und dann bin ich da und sorge für sie. Komm setz' dich und trinke dies." Der Junge hielt dem König einen Krug hin und lächelte mitreißend.

"Was ist das?", fragte der König.

"Mein Geheimtrank."

Der König nippte und genoss einen herrlich verdünnten Wein, der erfrischte, ohne müde zu machen.

"Ja, so gestärkt werde ich gewinnen müssen."

Der Junge nickte. "Wenn wir nur stark sind, dann werden wir bestehen, aber die Stärke ist nicht hier", er deutete auf seine Waffe, "sondern hier", er rieb sich den Magen. "Eine erfüllte Seele überwindet alle Hindernisse, und wenn die hohen Herren nur weise wären, dann fänden sie einen Weg, im Frieden ihre Probleme zu lösen."

Der böse König und der junge Mann verbrachten den Rest der Nacht damit, sich zu unterhalten. Als sie sich trennten, da graute der Morgen, und als die Schlacht beginnen sollte, da schickte der böse König seine Parlamentäre. Viele Tage verhandelte er mit seinen Gegnern und schließlich wurden Handelsverträge geschlossen, die beiden Seiten sehr viele Vorteile brachten, ohne Krieg führen zu müssen.

Während all der Tage hatte der böse König stets nach dem jungen Mann schicken lassen, der den Wein und die Speisen für die Beratungen bereitstellte.

So wurde der Krieg abgesagt und der Junge ging nach Hause und machte eine große Karriere, indem er den Menschen Frieden brachte, Wasser und Brot für die Seelen.

Sein Vater aber, der immer nur grummelte, verstand seinen Sohn bis ans Ende seiner Tage nicht, aber er liebte ihn sehr.

Und wenn der Sohn träumte, dann sah er im Brunnen seinen Garten, den er in diese Welt gebracht hatte. Er wusste, dass er die Welt verändern konnte, weil er wusste, wie man das Wasser des Lebens schöpft.

10 comments:

AnnaFelicitas said...

Wunderbar und aus dem Leben geschöpft, denn wer weiß, wie viele "kleine Wasserschöpfer" tagtäglich ebenso liebevoll ihr Werk verrichten, wie der Junge aus deiner Geschichte und so mithelfen Schlimme(re)s zu verhindern!

Eine deiner schönsten Geschichten!

Alles Liebe
Anna

Gabaretha said...

Lieber Rainer,
vielen Dank für die "bezaubernden" Minuten, die Du mir mit Deiner wunder-vollen Geschichte geschenkt hast.
Du schreibst wunderschön, finde ich.
Ich wünsche Dir einen bezaubernden Wochenbeginnn und eine wunder-volle neue Woche.
Viele liebe Grüße und alles Liebe,
besser und besser,
Gaba

Irmi said...

Es wäre schön, wenn es viele dieser kleinen Jungen gäbe.
Ich habe mich bei Dir festgelesen und bin beeindruckt von den liebevoll erzählten Geschichten.
Ich komme gern wieder hierher zurück.
Liebe Grüße
irmi, die vom Neckarstrand

zentao said...

Lieber Ray
Danke für diese schöne Geschichte
Liebe Grüsse Erwin (zentao )

Ray Gratzner said...

Liebe Anna, veilen Dank für Deine Zeilen, die mich freuen. Ich wünsche Dir alles Liebe und viel katzige Freuden...

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Gaba,

vielen Dank für Deine positiven Schwingungen, die ich gut gebrauchen kann, um es beser und besser anzugehen...
Libe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Irmi, Du musst nach Deinem Bild zu schließen ein richtiger Bücherwurm sein. Ich wünsche Dir am Neckar trockene Füße und ebenfalls eine schöne Woche.

Liebe Grüße
Rainer

Ray Gratzner said...

Lieber Zentao,

ich danke Dir für Deine Besuch und Deine lieben Zeilen. Viele Grüße in die Schweiz, die ich vielleicht mal in diesem Jahr besuchen muss...

Lieb Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Lieber Kölner esoterischer Spiralwurm, auch wenn Du Mann der Tat bist, vor dem Feiern kommt das Posten - gell, also schreib mal was...

Liebe Grüße Rainer

Elisabeth said...

Liebster Rainer,
danke dir für die zauberhafte Geschichte - ich habe immer noch dieses wunderbare Gänsehautfeeling, das ich beim Lesen verspürte... und in mir ein Gefühl, das zustimmend nickt, weil es weiß...

Herzliche Grüße zu dir, Elisabeth