Sunday, April 10, 2011

Angst, Furcht

Furcht ist für viele Menschen ein beherrschendes Thema im Leben. Angst zu sterben, Angst krank zu werden, Angst, dass den Kindern Böses widerfährt, Angst vor der Pleite. Egal in welche Richtung diese Menschen schauen, die Angst davor, dass unerwartet das Böse in die Welt tritt, ist groß.

Wenn Menschen sich fürchten, dann suchen sie Trost, den Schutz einer Gruppe oder aber auch die Einsamkeit, das Verborgensein, das Nichtauffallen.

Wem das Haus zwangsversteigert wird, wer von einer Gruppe Schlägerglatzen eingekreist wird, wem der Doktor gerade mitgeteilt hat, dass er sterben wird, der wird vielleicht Furcht empfinden und der wird keine Zeit haben, jetzt einige Wochen und Tage über sein Schicksal nachzudenken, um seine Situation zu ändern.

In diesem Moment höchster Bedrängnis kann ich mich fühlen, als wäre ich nicht da. So als wäre ich zwar noch vorhanden, aber ein Teil von mir ist bereits gestorben und sieht der Szene zu ohne körperlich tatsächlich da zu sein. Ich kann diesen abwesenden Teil mit der Sonne verbinden, wenn ich ihm eine besondere Kraft geben will. Ich kann mein Nicht-Dasein in die Sonne verlegen. Indem ich nicht da bin, in der Situation nicht vorhanden bin, endet die Furcht, aber nicht die Situation.

Das Haus wird trotzdem versteigert, die Schläger werden sich überlegen, was sie tun wollen und der Arzt wird weiterhin behaupten, dass ich sterben werde. Doch im Moment habe ich meine Furcht besänftigt und kann nun Lösungen in mein Leben einladen. Ich  kann mich mit dem Teil meines Lebens verbinden, in dem es keine Ereignisse gibt, die ich fürchten muss.

Ich kann das Geschenk suchen, dass darin liegt mein Haus zu verlieren. Habe ich das Haus gewollt? Hat es mich an anderen Dingen gehindert? War ich liebevoll gewesen oder hatten mich Not und Zwänge verändert? Vielleicht entdecke ich in aller Ruhe, dass in der Situation ein Geschenk liegt.

Inmitten all der Schläger kann ich, wenn ich nicht da bin, einfach fortgehen. Verfolger brauchen einen Kontakt zu einem Opfer. Ein furchtloser Mensch und einer der nicht da ist, der wird Irritationen im Gegenüber erzeugen. Die Furchtlosigkeit wird aus jeder Situation sicher herausführen, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf mein Wohlbefinden hefte.

Ich bin in meinem Leben mehrere Male gewalttätig angegriffen worden. Mir ist nie etwas passiert, noch habe ich wirklich Angst oder Furcht empfunden. Die Lösung passierte ohne mein Zutun. Dieses Vertrauen in das Nicht-Da-Sein erwerbe ich mir im Alltag.

Und wenn der Arzt seine Diagnose gestellt hat, kann ich mich erinnern, dass der Patient selber der beste Arzt ist. Welches Geschenk liegt in der Krankheit, was will sie mir sagen. Ohne Furcht kann ich mich der Botschaft nähern und meinen Weg ändern.

An diesem Sonntag wünsche ich mir, dass wir alle nicht da sind, wenn es furchterregende Ereignisse gibt. Ich wünsche allen meinen Bloglesern die Ruhe und Achtsamkeit, in jedem Moment das Geschenk des Lebens in allem zu erkennen, das uns begegnet.

10 comments:

Irmi said...

Lieber Rainer,
wenn ich mir zu eigen gemacht habe, dass alles, was in meinem Leben geschieht, seine Bedeutung hat - verschwindet auch die Angst.
Viel weniger Angst hat man auch dann, wenn man allein ist - sich im Alleinsein wohlfühlt. Dann muss man alles mit sich "Allein" ausmachen und kommt zu ganz eigenen Ansichten,
Einsichten und Entschlüssen. Vielleicht nicht ganz leicht zu verstehen - es ist aber so.
Liebe Sonntagsgrüße
Irmi

Kastanie said...

ein thema das dich immer wieder beschäftigt. liebe grüsse aus einer welt die jene durchlebt hat und das geschenk zu würdigen weis
kastanie

Ray Gratzner said...

Liebe Irmi,

die Bedeutung in allem zu sehen gibt mir schon einen aktiven Zugang zum Geschehen, den mir die Angst verweigern möchte. Ich glaube auch, dass dies ein Weg ist, seiner Angst ihren Platz zuzuweisen, die dann ja auch nur eine Bedeutung hat.

Ich stelle immer wieder fest, dass Du sehr weise bist und eine sehr praktische Spiritualität lebst...

Danke für Deinen Besuch.
Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Kastanie,

ich denke Angst und Furcht sind ein Dauerthema, für mich und für andere. Ich bin zwar weitgehend frei von Angst und Furcht und doch gibt es wieder Momente, da meldet sie sich, da versucht sie zu wachsen. Ich lerne jedesmal wieder etwas Neues dazu - z.B. was ich loslassen muss und kann...

Liebe Grüße Rainer

Gabaretha said...

Lieber Rainer,
ich wundere mich nicht, dass so viele Menschen von Ängsten und Furcht geplagt werden.
Das ist der "Zeitgeist" in einer Welt, die sich hauptsächlich auf die Wirkung im Außen beschränkt. In den Medien erscheinen täglich neue Studien, Hinweise und Statistiken, über die Gefährlichkeit des Lebens.

Meine Meinung: Ich brauche keine Hinweise, um zu wissen, dass Leben tödlich endet und eine Versicherung gibt es nur für materielle Nachteile, die sich daraus ergeben.
Mein Gegenmittel gegen Angst ist das "Sehen was ist".
Gefahr und Bedrohung verliert häufig den Schrecken, wenn ich ihr ins Auge schaue.
...und: Ich lebe JETZT und bin mit allem verbunden was ist. Wovor sollte ich mich ängstigen???

Mit Deinem gestrigen Beitrag über die innere Freiheit hast Du mein Lebensgefühl sehr schön beschrieben.

Vielen Dank für die Inspiration zum Nachdenken und viele liebe Grüße aus dem sonnigen Tal der Isar.
Besser und besser,
Gaba

Grey Owl Calluna said...

Lieber Ray!

Böse und Gut ist subjektiv.
Auch sind die Situationen recht unterschiedlich, die Du beschreibst.
Die tödliche Krankheit, ist für den Moment nicht so bedrohlich wie die Schläger, wo man keine Zeit, bei der Überzahl auch keine Chance hat, einem nur die Instinkte leiden. Ich bezweifle sehr, dass Du in solch einer Situation wirklich so ruhig sein kannst.

Das Haus zu verlieren ist auch nicht das Schlimmste, und nicht lebensbedrohlich.

Ja, alles hat einen tieferen Sinn im Leben. Leider machen Viele nach so einem Einschnitt genau so weiter wie vorher…..haben wenig bis nix gelernt.
Aber ein paar Wenige, beginnen mit einer Lebensumkehr.

Keiner weiß wirklich, wie viel Zeit ihm in diesem Leben noch bleibt. Deshalb…..jeden Tag, als ob´s der letzte wäre.

„Nicht-da-sein“….ein anderes Wort für das „unsichtbar machen“ der Tolteken.
Ja, sehr nützlich, wenn man´s kann……und ich nehme mal an, dass Du das ganz gut kannst lieber Ray.
Liebe Grüße
Gry Owl

AnnaFelicitas said...

Lieber Rainer,

ich danke dir für deine ganz besonderen Wünsche,die ich dir von Herzen "zurückwünsche" :)

Für mich habe ich die Gelassenheit entdeckt. Sie gibt mir die Kraft anzunehmen was unvermeidlich ist und die Fähigkeit klug zu wählen. Nicht immer, aber immer öfter ;)

Alles Liebe
Anna

Ray Gratzner said...

Liebe Gaba,

Dein Gegenmittel "Sehen was ist", gefällt mir sehr gut.
Allerdings will dieses Sehen mit nicht furchtsamen Augen geübt sein, wäre so meine Interpretation.
Ich denke Du hast über Deine Ultraminderfahrungen und andere Wissensfelder eine breite Palette erprobter Einsichten in die Fähigkeit zur Selbstbehauptung.
Und das strahlst Du auch aus....

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Grey owl, vielen Dank für Deinen Gedankengang. Er leuchtet mir voll und ganz ein. Vielen Dank

Nebenbei kenne ich zwar die Tolteken, aber die (wir) Träumer haben gute Möglichkeiten sich auszutauschen rund um den Erdball. Da gibt es für mein Empfinden sehr viele Ähnlichkeiten und doch gibt es auch das Lokalkolorit - vor allem hier in Europa können wir uns über eigene Entwicklungen nicht beklagen...
Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Anna,

you are welcome und herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar.

Liebe Grüße an die Zauberwesen
Rainer