Saturday, April 9, 2011

Der Spiegel der Freiheit

Sie griff meine Hand. Ich schaute ihr in die Augen. Ihre glatten schwarzen Haare umrahmten ihr Gesicht wie eine Bilderrahmen ein Gemälde und ihre Augen leuchteten dunkelbraun.
"Fühlst du es Ray?"
Suchend sortierte ich meine Gefühle. Mir fiel auf, dass ich nur im Inneren einen spiegelnden Gegenstand wahrnahm, der mit einem intensiven Glücksgefühl gefüllt war.
"Wer oder was ist das?", fragte ich.
"Das bist du, das kann jedermann sein."
"Das verstehe ich nicht. Wenn dieser Gegenstand ich bin, kann er doch nicht jemand anderer sein."
"Nun", sie lachte. "Wenn wir Menschen anfangen uns zu befreien, dann verschieben wir die Welt gewissermaßen in unser Inneres. All die Sklaven dieser Welt sehen die Welt als etwas Äußeres an. Die Welt mit ihren Regeln und Gesetzen besteht außerhalb von ihnen und macht ihnen die Regeln und Gesetze, die sie zu befolgen haben.  Wenn ein Mensch sich zu befreien beginnt ist der erste und der wichtigste Schritt von allen, die Welt als innere Welt zu begreifen. Wir erkennen, dass wir die Welt in uns tragen und dass wir in unserem Inneren frei sind."
"Ja, das verstehe ich, also ist dieser glückliche Gegenstand mein Glück und kann aber auch das Glück der anderen Menschen in dieser Welt sein, weil die Welt in meinem Inneren ist?"
"Fast , auch wenn du dir sagst, dass die Welt im Inneren ist, wirst du nicht automatisch frei. Du musst dich entschließen frei zu sein, du musst die Freiheit anrufen indem du sagts, dass du frei sein willst. Dann und nur dann erzeugt die Absicht einen inneren Gegenstand, eine Art Spiegel. Und dieser Spiegel zeigt Dir den Weg der Freiheit. Da du frei sein willst, wirst du diesen Weg gehen. Du siehst in diesem Spiegel aber auch andere frei Menschen und kannst so erkennen, wer frei und wer gefangen ist."
"Wozu sollte es gut sein zu wissen, wer frei oder wer gefangen ist?"
"Nun, wenn du einem Gefängnisinsassen begegnest und du fragts ihn, ob er auf einen Spaziergang mitkommen will, dann wird er es als Verhöhnung empfinden, wo er seine Zelle nicht verlassen darf. Die Gefangenen dieser Welt reagieren mit Wut, Aggression und Empörung auf das Ansinnen der Freiheit. Es unterstellt ihnen, dass man ihre Situation nicht ernst nimmt. Im Zweifel würden sie sehr viel Energie entwickeln, um dich gefangen zu nehmen und dir zu beweisen, dass niemand frei ist. Deswegen. Es hilft dir Energie zu sparen nur mit den Mneschen über Freiheit zu reden, die die Freiheit in ihr Leben einladen wollen. Alle anderen sind zufrieden mit ihrem Weg, dass sollte man akzeptieren."
Wir saßen eine Weile da, ich erspürte den spiegelnden inneren Gegenstand. Ihr Hand ruhte immer noch in meiner während der Wind der Absicht meine kleinlichen Sorgen mit sich ins Unendlich nahm.

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6 comments:

Gabaretha said...

Lieber Rainer,
die Frau aus Deiner Geschichte scheint mir sehr vertraut. Ich fühle mich mit diesen Gedanken sehr verbunden und einig.
Der Blickwinkel, andere Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen zu wollen, gefällt mir besonders gut.
Wo so etwas hin führt lässt sich aus der Geschichte der Kolonialisierung und auch Entwicklungshilfe deutlich wahrnehmen.
Viel schöner scheint es mir, andere Menschen dort abzuholen, wo sie gerade sind. Wer in die innere Welt mitkommen will, der weiß das meist selber.

...und wer die Welt da drinnen kennt, wird sie freiwillig wohl nicht mehr verlassen.

Vielen Dank für die schöne Geschichte und die Gedanken, die Du damit in mir zum Schwingen bringst.
Viele liebe Sonnengrüße aus der Sonne,
besser und besser,
Gaba

Ray Gratzner said...

Liebe Gaba,

you are very welcome. Ja, Kolonialismus oder Bekehren führt nicht zu mehr Freiheit.
Im Thema Spiritualität ist es natürlich immer ein Thema, dass ich die schönen Erfahrungen gerne teilen möchte nur um festzustellen, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind.

Vielen Dank für Deinen lieben Kommentar.

Liebe Grüße Rainer

Irmi said...

Lieber Rainer,
Man darf oder sollte keinen Menschen zu seinem Glück zwingen. Wer sich befreien will, aus einem "Gefängnis" ausbrechen möchte, der schafft das.
Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt. Wenn er sich nicht manipulieren läßt. Einige Menschen glauben frei zu sein. In Wirklich- keit aber leben sie in einer Scheinwelt.
Liebe Grüße
Irmi

Ray Gratzner said...

Liebe Irmi, vielen Dank für dieses Plädoyer für Selbstnestimmung. Was ist real und was ist wirklich, diese Grenzen sind mitunter wirklich nicht so klar...

Liebe Grüße an den Neckarstrand
Rainer

AnnaFelicitas said...

[...] Die Gefangenen dieser Welt reagieren mit Wut, Aggression und Empörung auf das Ansinnen der Freiheit. Es unterstellt ihnen, dass man ihre Situation nicht ernst nimmt. Im Zweifel würden sie sehr viel Energie entwickeln, um dich gefangen zu nehmen und dir zu beweisen, dass niemand frei ist.[...] Ein tolle Kostbarkeit. DANKE!

Alles Liebe
Anna

Ray Gratzner said...

Liebe Anna,

*freu* es ist für mich schön so ein Feedback zu erhalten...

Liebe Grüße Rainer