Sunday, January 11, 2009

Über den richtigen Umgang mit dem Freunde



Ein chinesisches Sprichwort sagt:

" Entferne nicht die Fliege von der Stirn Deines Freundes mit einem Beil"

Dieses Sprichwort gefällt mir gut, weil ich einerseits zuerst die Vorstellung hatte, wie ich eine Fliege mit einer Fliegenklatsche auf der Stirn eines Bekannten erlege...So etwas gefällt mir und ich schmunzele.

Andererseits macht mich das Sprichwort auch nachdenklich. Ich möchte Freunden immer helfen und sicherlich versucht ich Freunden angemessen zu helfen. Doch wer weiß eigentlich wirklich, was das Beste im Leben eines anderen Menschen ist? Im Grunde genommen kann das niemand im Voraus wissen. So mag eine Wohltat erst süß, dann schrecklich und am Ende wohlmöglich katastrophal sein.

So kennt man z. B. bei Suchtkranken das Phänomen, wenn man Ihnen im Alltag bei unangenehmen Tätigkeiten hilft, dass sie sich in ihrer Lage belohnt fühlen und die Suchtkranken wohlmöglich länger abhängig bleiben....

Wie immer wird Hilfe zur Selbsthilfe das Richtige sein. Ohne auf Probleme mit maßlosem Einsatz zu reagieren und den Freund im übertragenen Sinne mit Hilfe zu erschlagen. Je länger ich nachdenke, umso mehr Bedeutungen gehen mir durch den Kopf.....Weise, die Chinesen....

Saturday, January 10, 2009

Busfahrt


Ein Mann und eine Frau sitzen in einem Bus. Der Bus fährt über eine unebene Straße und die Passagiere wackeln vor und zurück, nach rechts und nach links.

Immer wenn Sie mit ihm zusammenstößt, dann zuckt sie ein wenig zusammen und wirft sich mit dem Oberkörper auf 'ihre' Seite. Doch der kurze körperlichen Kontakt fühlt sich wohlig an. Sie riskiert einen Blick zu ihm. Kantiges Kinn, blaue Augen, Drei-Tage-Bart. Und er duftet gut. Sie blickt wieder nach vorn und schließt die Augen. Sie folgt dem Duft und sieht eine Fabrikhalle vor sich. Die Luft ist erfüllt von Flocken, die das Atmen schwer machen. Ein Nebel feuchtwarmer Luft hängt über allem. Der Nebel steigt von einem Papierbrei auf, der eine haushohe Maschine füttert. Nichts in diesem Bild ist auch nur annähernd so klein, dass es von Menschenhand bewegt werden könnte.

Der Mann neben ihr bedient einen kleinen Kran mit dem er eine fertige Papierrolle von seinem Standort hebt. Er konzentriert sich sehr, denn er sieht wenig und er hört so gut wie nichts, denn die haushohe Maschine ist so laut, das man sein eigenes Wort nicht verstehen könnte und dass jedermann gewiss bald taub wäre, wenn er keinen Gehörschutz trüge.

Er muss sich mit der Rolle beeilen, denn Zeit ist Geld. Und auch wenn die Arbeit schwer ist, so liebt dieser Mann seinen Job doch. Es sind keine Blumen seitlich am Wegesrand, nur dunkelgrün bemalter Betonboden, auf dem in knallgelben Farben der Weg eingezeichnet ist, den man hier laufen darf, ohne sein Leben in Gefahr zu bringen. Wer nicht achtsam ist, stirbt oder verliert einen Arm oder die Beine.

Die Eile ist allgegenwärtig in dieser von Kunstlicht erhellten Welt, egal ob er sich wohl fühlt, müde ist, traurig ist. Die Maschine bestimmt den Takt seines Lebens, doch manchmal stockt die Maschine und es wird still. Ein Mechaniker hastet in verdreckter Arbeitskleidung heran und verschwindet in den Eingeweiden des Monsters - alles unter beständiger Lebensgefahr, die man hier vergisst, weil das hier alles normal und der Alltag ist.

Die Schweiß durchnässt die Kleidung. Er ist glücklich. Seine Arbeit ist produktiv. Wenn die Sirene geht, nimmt eine Kollege seinen Kran entgegen. Er geht langsam, genießt den Feierabend in die Umkleide und dann unter die Dusche. Duschen und Einseifen und ein wenig parfümieren, damit der Geruch der Halle nicht mehr an ihm haftet. Schließlich tritt er ins Freie geblendet vom Tageslicht. In einer Müllecke durchbricht eine kleine Blume den Asphalt. Sie blüht, er bemerkt sie und lächelt, doch keiner wird es bemerken, wenn der Bulldozzer sie in zwei Tagen überfahren wird, wenn der Müll wieder abtransportiert wird.

Der Bus stoppt und sie öffnet die Augen, sieht nun die Ränder unter den Augen und den blassen Teint. Der schweigsame Mund. Er wischt ein Papierflocke von seiner Hose und steht auf und steigt aus.

Friday, January 9, 2009

Schweinchen träumt


Es begab sich eines Tages, dass ein kleines Schweinchen beim Kauen einer Apfelrinde im Zustand größten Entzückens in Trance geriet.

Das Schweinchen verließ seinen Körper mit seinem Geiste und gelangte 300 Jahre in die Zukunft. Dort sah es in den Wäldern Europas viele freilaufende Schweine, die glücklich und friedlich sich von den Früchten des Waldes ernährten.

Es flog über alte verlassene Städte und Ruinen, keine Menschen waren mehr zu sehen. Das stimmte das Schweinchen nachdenklich, was mochte hier geschehen sein?

Es flog ratlos umher und traf schließlich auf eine bewohnte Menschensiedlung. Die Menschen waren kaum wieder zu erkennen. Alle besaßen eine teigige Haut und sie wurden von Maschinen gefüttert und bewegt. Viele von ihnen saßen in kleinen gut beheizten Kammern in denen sie zu regelmäßigen Zeiten ihr Essen vorfanden, spielen konnten und auch schliefen.

Die Maschinen hatten alles im Griff. Während das Schweinchen umherflog, entdeckte es immer mehr Ansiedlungen, in denen es vollautomatische Gebäude zur Menschenhaltung vorfand.

Irgendwann entdeckte es einen großes Gebäude auf dem Schlachthof stand. Neben dem Schlachthof stand eine riesige Lagerhalle, die von Hausbau-Roboter unermüdlich erweitert wurde. Maschinen brachten große Wurstpakete in die Lagerhalle, aber niemand schien die Wurst zu verbrauchen, es kam immer nur frische Wurst dazu.

Das Schweinchen flog in eine Bibliothek und schaute sich die letzten Zeitungüberschriften an, die vor 150 Jahren gedruckt worden waren. Danach gab es keine Zeitungen mehr. Eine Schlagzeile lautete, 'Microsoft und der größte Tierfleischproduzent der Welt fusionieren!'. Der Artikel berichtete, dass Microsoft eine neue Version seines Allzweckbetriebssystems schriebe. Das Betriebssystem, das vom Autofahren bis zur Toilettenspülung alles im Alltag der Menschen steuerte, wurde für die Tierhaltung umgeschrieben. Die Tierfleischbranche sollte durch das Windows-Betriebssystem automatisiert ablaufen.

Eine andere Titelzeile lautete 'Computerpanne'. Durch einen Fehler wurden Tierhaltung und Allzweckbetriebsystem verwechselt und falsch ausgeliefert...Dann endete die Zeitungsausgaben.

Das Schweinchen flog wieder raus und schüttelte seinen Kopf, 'das verstehe wer will.' Als es über eine Siedlung flog, sah es wie der Schlachthauslieferwagen beladen wurde. Glückliche teigige Menschen wurden von Maschinen zum LKW getragen.

Dann wachte das Schweinchen auf. 'Toll, in dreihundert Jahren sind alle Schweine frei...Klasse...'

Sunday, January 4, 2009

Neulich als der Meister und sein Schüler zusamenkamen da....


Der Meister, weißhaarig und weise hört seinem Schüler geduldig und aufmerksam zu.

"Was Meister, wenn ich von nackten Frauen träume, was soll mir das sagen?"

"Hmm, Du träumst von nackten Frauen, alte, junge, dicke oder dünne?"

"Ist das denn wichtig?"

"Klar, schau', wenn Du von schlanken Frauen träumst, dann hungert Deine Seele. Sie sucht Liebe. Wenn Du von dicken Frauen träumst, dann bist Du satt. Du wünscht Dir satte Frauen, die geben können, die ruhiger sind."

"Träumst Du von jungen Frauen, dann bist Du scheu und träumst Du von alten Frauen, dann weißt Du im Grunde genommen schon alles."

"Alles was Du träumst ist für Dich bestimmt und nur für Dich allein. - Damit meine ich die persönlichen Träume. Nicht solche in denen Dein Traumkörper auf Reisen geht, die sind für alle Menschen bestimmt. Du begegnest in Deinen persönlichen Träumen immer nur Dir selbst und sei es auch als Frau."

"Und wenn ich von Frauen träume, die ich kenne?"

"Auch dann begegnest Du dir selbst."

"Schwer zu glauben..."

Der Meister zuckt mit den Schultern. "Wenn man mal gelernt hat, dass die Welt eine Scheibe ist, dann ist es schwer sich etwas anderes vorzustellen...."


Genug gelauscht für heute......

Saturday, January 3, 2009

Wanderer der Unendlichkeit


Die Wanderer der Unendlichkeit stoppten. Niemand war auf seinen Vordermann aufgelaufen, denn einen Vordermann in dem Sinne gab es nicht. Es gab nur den steten Fluss der Seelen, die die Wandernden in Bewegung hielten.

"Was ist los?" Tausendsprachig lief dieser Gedanke davon wie eine Welle am Strand und rollte über die Unendlichkeit.

"Vorne behaupten sie, das Sterben sei beendet und wir könnten nach Hause gehen. Es stirbt so schnell keiner mehr."

Die Seelen der Ungeborenen kümmerte das nicht. "Es gibt noch immer Kinder", sagten sie.

Da versammelten sich die Wanderer am Abgrund, an dem ansonsten die Lebensfäden durchtrennt wurden. Tatsächlich jedermann konnte den Ort betreten, an dem zu stehen vor wenigen Augenblicken das Ende bedeutet hätte.

Sie schauten sich um, der Ort wirkte gewöhnlich - nichts Sakrales, nichts Besonderes haftete ihm an - nur Stille. Die ersten Mutigen und Neugierigen stürmten in den Raum, erfüllt von einem Gefühl, einem bedeutenden Moment in der Geschichte nahe zu sein, ein Zeuge von etwas Unerhörtem, nie Dagewesenem zu sein.

Dann breitete sich Hektik aus, als in einem tausendfachen Aufschrei der Lebensfaden von Tausenden gleichzeitig inmitten des Platzes unwiderruflich getrennt wurden. Erschreckt wichen die Wandernden der Unendlichkeit zurück.

Was war das?

Die Älteste der Wandernden erinnerte sich, das als sie jung war, der Älteste in ihrer Zeit von einer Legende gesprochen hatte.

"Von Zeit zu Zeit tut die Unendlichkeit so, als könnte sie auf den Tod verzichten, als wäre er besiegt. - Doch wer das glaubt käme unweigerlich darin um."

Dann blickte sie sich um. "Diesmal war es hier in der Unendlichkeit, aber es wird wieder geschehen - Momente des Sieges über einen geschlagenen Tod....."