Manche Menschen erleben es nie, andere nur einmal im Leben und wieder andere erleben es häufig. Die eigene Seele ist so ange
kotztstrengt von den eigenen Lebensumständen oder dem Lebenswandel, dann will sie Urlaub.
Ich bin Träumer, luzider Träumer und da bekomme ich dann schon mal Dinge mit, die im Alltag nicht unbedingt zum Smalltalk gehören. Während nämlich der Durchschittsteutone auf Malle oder am Strand die Seele baumeln lässt, da suchen sich Seelen andere Urlaubsorte, um den Körper mal bammeln zu lassen. Interessant ist es dann, das Gespräch mit einer solchen Seele zu suchen und das habe ich neulich getan.
Ich war in einer Landschaft im Unbekannten unterwegs, auf der Suche nach einer Absicht, da hörte ich jemanden laut singen. Ungewöhnlich, dachte ich, denn normalerweise ist in der Gegend niemand unterwegs. Ich gehe also hin und sehe eine Seele in einem sehr entspannten Zustand.
Ich: "Hallo?"
Seele: "Hallo, ach tut es gut hier in Ruhe auf der Erde zu liegen, zu entspannen und die Sonne zu genießen."
Ich: "Ja, tust du das selten?"
Seele seufzend: "Jaaaa, ganz selten. Mein Körper ist wie ein stumpfer Stein. Er spürt nicht, dass die Sonne wie eine zarte fleischige Frucht für mich ist. Ich sitze eingemauert ohne Nahrung wie in einem Verlies, wie in einem Loch. Aaaaaahhhhh."
Ich: "Was fehlt Dir denn sonst so, was du in deinem Gefängnis nicht bekommst?"
Seele nickt. Seele schweigt. Seele nickt wieder. "Ja, mir fehlen viele Dinge. Zuviele, als dass ich es in meinem Gefängnis aushielte. Hier ist es schön. Ich will nicht mehr zurück, vielleicht will ich nie mehr zurück. Nicht zurück in diese ständige Folterkammer. Der Hass, er verbrennt mir die Haut."
Die Seele deutete auf ihre Hände, die von Brandblasen überdeckt waren. Sie hielt sie in die Sonne und die Blasen verschwanden im Nu. "Keine Liebe hat mich fast verhungern lassen."
Erst jetzt fällt mir auf, dass die Seele schmal ist. Sie ist das Bild einer abgemagerten Person. Mir wird ein wenig mulmig zumute. Doch ich fühle, ich spüre, dass diese Seele sich gut erholt.
"Und immer diese Angst, die mich im Körper von einer Ecke in die andere jagt. Ich habe so schöne Orte in meinem Körper, aber die Angst vertreibt mich von allem, wo es mir gut gehen kann, wo ich mich erholen und wachsen kann."
Ich: Als ob es das Stichwort wäre. "Wie alt bist Du?"
Seele: "Ich bin sieben. Ich bin allein."
Ich:"Aber du hast doch bestimmt Mama und Papa?"
Seele: " Ja, aber ihre Seelen sind eingemauert und sie sitzen hinter Steinkörpern und sie hören mich nicht und sie berühren mich nicht und sie wünschten sich, ich hätte keine Seele - Schluchzen."
Ich - traurig - nehme die Hand der Seele. Komm ich zeige Dir einen Ort und dann wirst Du Dein Leben lang nicht mehr alleine sein.
Für unsere Seelen hat die Steinzeit noch nicht geendet. Die Steinzeit hat wieder begonnen.