Thursday, May 8, 2008

Kriegerles Mondfahrt


Ringmann und Suchmann führen ein Gespräch unter Männern. Ziel ist die spirituelle Weiterbildung von Suchmann durch Ringmann. Zugegen ist noch der Lügner, ein egoistischer Dreckskerl, der für ein bisschen Anerkennung seinen besten Freund umbringen würde. Es haben halt alle so ihre Schwächen.

Ringmann: "So heute wollen wir über etwas sprechen, was bislang noch nicht in Dein Bewusstsein vorgedrungen ist. Du stehst unter dem Zwang, allen möglichen Leuten gefallen zu wollen. Ob Du etwas mit Ihnen im Sinn hast oder nicht. Du möchtest, dass alle Dich für einen tollen Kerl halten. Das ist typisch für hilfreiche Männer. Ein Krieger interessiert sich nicht dafür, was andere von ihm halten. Er hat eine Absicht und dementsprechend wählt er aus. Du hast keine Wahl, weil Du allen Gefallen willst. Verweigert Dir jemand seine Anerkennung, so bleibst Du jahrelang an ihn gebunden."

"Du bist geschwätzig. Du schmierst den Leuten Honig ums Maul und wenn da jemand ist, den Du für toll hältst, dann möchtest Du all das was er macht auch tun und besser nach Möglichkeit, damit er dich zum Freund macht."

"Ein Krieger bring sich ein, wie er ist. Er verstellt sich nicht. Ist er verstohlen, dann heißt es, dass es nicht alles aufdeckt. Du leugnest es nicht?"

Ringmann schaut Suchmann an. Suchmann nickt langsam, offenbar fällt ihm im Moment nicht soviel ein während der Lügner gewichtig drein blickt, obwohl er nie zu Ringmanns Analyse fähig gewesen wäre.

"Gut. Er hier wird dich zu einem Platz bringen, wo Du diese Fehleinstellung los wirst." Ringmann nickt mit dem Kopf in Richtung des Lügners.

Der Lügner, "Moment mal. Siehst Du die Hütte? Da ist jemand den ich kenne. Wir haben Zeit lass' uns da mal rein gucken." Suchmann nickt misstrauisch.

Der Lügner geht in die Hütte, vorsichtig als hätte er hier schon mal Dresche bekommen, denn er hat aufgrund seines notorischen Lügens fast überall schon Dresche bekommen.

Ein alter Mann erscheint: "Hallo. Seid meine Gäste."

Der Lügner: "Wir waren gerade in der Nähe." Er schlägt sich mit seinen plumpen feisten Händchen klatschend vor die angespeckte Stirn. "Da fällt mir ein, ich habe etwas beim Ringmann vergessen. Der hier", der Lügner deutet theatralisch auf Suchmann, "ist mein Schützling. Darf er hier warten?"
Alter Mann, "sicher." Er lächelt angenehm und sympathisch.

Der Lügner geht.

Alter Mann setzt sich und schweigt.

Suchmann: "Du bist ein Krieger nicht wahr?"

"Ja, das stimmt, aber das Alter macht mir zu schaffen."

"Ich will auch ein Krieger werden. Das heißt, ich bemühe mich einer zu werden."
Alter Mann wirkt ungerührt, scheint nachdenklich. "Ich müsste Wasser holen. 20 Eimer werde ich brauchen."
Suchmann, "soll ich das machen?"

Alter Mann wieglet ab, "ach das brauchst Du nicht."
Suchmann, "doch das mache ich gerne."

Alter Mann, "na gut. Da steht der Eimer." Er deutet in die Zimmers. "Der Brunnen ist vor der Tür. Bring das Wasser zu dem Kessel dort." Er deutet auf einen Kessel der mehr einer überdimensionalen Badewanne gleicht.

Suchmann holt Wasser. Er freut sich dem alten Mann einen Gefallen zu tun. Bald schon aht er die zwanzig Eimer geholt.

"Schön. ich brauche auch noch Holz. Ich habe heute noch viel zu tun."

Suchmann ist schon ein wenig angestrengt. "Och, das kann ich ja auch noch holen."

Der alte Mann zuckt die Achseln. "Nun gut. Schichte Holz unter dem Kessel auf."

Bald schon kann der alte Mann Feuer machen.

"Kannst du mal die zwei Ketten holen?", fragt er Suchmann.

Suchmann ist schon ganz schlapp vom vielen Arbeiten, aber gerne holt er die Ketten. Schwupp legt der alte Mann geschwind die Ketten um Suchmanns Handgelenke und mit einem kleinen Stoß befördert er Suchmann in den Kessel.

Suchmann ruft empört aus. "Ich protestiere."

Der alte Mann legt ungerührt Feuerholz nach. Er dreht sich um und lacht ein wenig. Suchmanns Blick fällt auf eine Inschrift im Kessel.

"Ich werde dich essen. Du bist ein Geschenk der Kraft." Suchmann fängt jetzt an zu toben. Ich dummes Schaf. Was für eine blöde Situation. Er wird ruhiger und versucht den Lügner zu rufen.

Der Lügner erscheint auch bald. "Was machst Du den da?", fragt er aufgeblasen, als hätte er zwei Lehrer verspeist.

Suchmann schämt sich, "hol mich hier raus", sagt er zerknirscht.

Ringmann kommt rein und Suchmann guckt verdutzt. Der Lügner und Ringmann kichern unterdrückt.

Lügner "Nun korrigiere mal Deine Stimmung."

Ringmann. "Dies war eine Warnung. Durch dein Anbiedern hast Du dich ausgeliefert. Du wärst gefressen worden. Du bist voll in die Falle gelaufen. Ändere dich. Die Leute können dich ausnützen."
"Fühle mich, das ist das Gefühl, das ein Krieger sich selbst genügt. Es ist die Antwort auf Deinen Fehler."

"Ich mache Dir folgendes zur Aufgabe. Leuten gegenüber sollst Du stets das Gefühl des sich selbst Genügens empfinden. Dann sollst Du immer genau wissen, was Du von den einzelnen Leuten möchtest und danach wie ein Krieger handeln."

Der Lügner schaut wichtig und glücklich drein. Er platzt fast vor Stolz, einem so großen Ausbildungsmoment beigewohnt zu haben. Dann legt er sich schlafen. Ringmann und Suchmann gehen vor die Tür.

"Das mit dem Spiegeln hast du gut gemacht. Das waren all die Gefühle, die in dem Lügner vorgehen. Er gehört zu den Menschen, die ihre Gefühle auf andere übertragen. Sein pompöses Verhalten, das waren sein Eltern, die haben ihn nicht geliebt, er genügte ihren Ansprüchen nicht, bis er lernte ihnen zu erzählen, was sie hören wollten."

"Und, wird er was gelernt haben?"

Ringmann zuckt die Schultern, "wer weiß, wer weiß. Lügner haben lange Beine."

2 comments:

ahora said...

Lieber Ray, Deine Geschichte ist so richtig interessant.

...Das ist typisch für hilfreiche Männer... (steht in Deiner Geschichte.

aus Eigennutz handeln, es nicht wissen und sich dabei gut fühlen -
bis man oft genug "gefessen" wurde.

Interessant ist aber auch der Schreiber, der den Lügner noch sieht, Unterscheidungen trifft zwischen Suchmann, Ringmann und Lügner.

Liebe Grüße
Barbara

Ray Gratzner said...

Liebe Barbara, danke für Dein Interesse. Ich kann mir vorstellen, dass Sie Dir etwas sagt.