Sunday, April 8, 2012

Nur wer sich selber liebt, kann auch andere lieben.

Nur wer sich selber liebt, kann auch andere lieben. Das ist geradezu ein Kalenderspruch, der wahrscheinlich von Männern stammt. Klar wenn ich mich nicht liebe, dann werde ich andere zurückweisen, wenn sie mir zu nahe kommen, werde ihnen nicht glauben, wenn sie mir erzählen , dass ich liebenswert sei. Und, Und, Und.

In unserer Gesellschaft ist es meiner Meinung nach für Frauen  viel schwerer sich zu lieben, als für Männer, weil Frauen ungleich mehr Lasten aufgebürdet werden, als Männern, bevor wir Männer ihnen das sich geliebt fühlen erlauben.
Du bist erst liebenswert wenn:
  • Dein Hintern so klein ist, wie der der Modemodels
  • Du Feiertags für alle einen schönen Tag vorbereitet hast
  • Du alles aufgeräumt und geputzt hast
  • Du gut duftest und Dich angehübscht hast
  • Du nicht rülpst und furzt
  • Du dich nicht in Deiner Leistengegend kratzt
  • Du deine Unterwäsche nur wöchentlich wechselst
  • Du nicht jederzeit für alles Verständnis hast
  • Du Dich nicht zurücknimmst, bevor nicht alle in Deiner Familie ihre Zufriedenheit erlangt haben.

Es mag weniger geworden sein, aber die Dienstmagd, die Hure und Göttin zugleich sein soll wird versteckt in dieser Gesellschaft immer wieder den Frauen als Erwartung auferlegt und wer nicht passt, der wird nicht geliebt. Dann noch zu sagen: "Nur wer sich selber liebt, kann auch andere lieben." Das kann schon mal höhnisch aufgenommen werden.



10 comments:

Postpanamamaxi said...

Mir hat mal jemand gesagt: Wer sich als Pfannkuchen verkauft, wird auch als solcher verspeist.

Wir werden also nicht nur als das wahrgenommen, wie wir uns etikettieren lassen.
Wir werden gleichermaßen so etikettiert, wie wir uns selbst wahrnehmen.

Und da spielen unsere Erziehung und die Rollenvorgabe bezüglich der unterschiedlichen Geschlechter immer noch eine große Rolle.

Ob dies unbedingt nur ein Mädchenproblem ist, wage ich anzuzweifeln.
Ich kenne auch Männer, die in ihrer klassischen, von der Gesellschaft vorgegebenen Männerrolle als Familienversorger und als starker Mann, Macher und Problemlöser im Haus sehr unglücklich sind und mehr aus Pflichtbewusstsein und einem Gefühl der Ausweglosigkeit agieren. Die ihre sensible Seite und ihre eigenen Wünsche weit hinter den Alltagsanforderungen zurückstellen und eigene Bedürfnisse verleugnen, um nicht schwach zu wirken.

Etwas mehr Eigenliebe und Mut zum Selbst könnte Betroffenen beider Geschlechter wirklich helfen.

Denn den Eingangsspruch kenne ich in abgewandelter (und viel lebensnäherer) Form:
Liebe deinen Nächsten, genauso wie dich selbst.

Also muss, darf und soll man bei sich selbst anfangen, um wirklich und wahrhaftig lieben zu können und nicht nur einem vermeintlich vorgegebenem Rollenmuster zu folgen.

Ray Gratzner said...

Liebe Postpanamamaxi, die Männer, die vor lauter Pflichtbewusstsein ihren eigenen Weg mit Herz verlassen und immer trauriger durchs Leben schreiten, das ist für uns Männer bestimmt ein Riesenproblem. Aber ich glaube mit dem Problem finden wir trotzdem allezeit genug Liebe um uns herum, weil dieser persönliche Konflikt soziale Anerkennung findet.

Andere so zu lieben wie sich selbst, ist bestimmt eine gute Herangehensweise.
Dabei stelle ich mir gerade vor, wie böse manche Menschen ihre Mitmenschen behandeln müssten, wenn sie so behandeln würden wie sich selber. Da wäre das voraussehbare Echo eine gute Nachdenkhilfe....

Liebe Grüße in den Norden...
Rainer

Selbstvertrauen said...

Das ist eine andere Sichtweise, die ich noch nicht kenne. Ich verstehe diese Aufforderung eher im Sinn von: Ich nehme mich selbst liebevoll an, mit Selbstvertrauen und ohne Abhängigkeit vom Urteil von aussen. Schwierig ja, doch es lohnt sich.

Ray Gratzner said...

Liebe Selbstvertrauen,

ich denke Selbstvertrauen hat hier einen entscheidenden Einfluss, wenn ich es gefunden habe, sollte ich mir eine dicke Spur legen,um es wieder zu finden, wenn ich es verloren habe...
Liebe Grüße Rainer

Grey Owl Calluna said...

Nur zu gut weiß ich, wie schwer diess übergestülpte, von Kindheit anerzogene Muster wieder loszuwerden/loszulassen ist.
Wird dir von Kindesbeinen eingepäut,....du bist ein Schaf,....dann fühlst du dich auch immer so, auch, wenn du in den Spiegel schaust, denkst du,.....SO sieht ein Schaf aus, bis,.....du in Interaktion mit anderen tritts, die genau so aussehen wie du, sich aber nicht als Schaf wissen/fühlen. Dann kommt der Aha-Effekt.
Männer habens da freilich leichter, und die meisten haben auch nicht die Fähigkeit sich in andere/Frauen hinein zu denken.
Das Einfühlen ist ja selbst den Frauen in dieser patriarchalen Gesellschaft abhanden gekommen......wie sollen sie's dann an die Kinder, ob männlich oder weiblich, weiter geben.

Ich kann mich nicht erinnern, dass mir mal jemand gesagt hätte: Liebe dich selbst,.....dann kannst du auch andere lieben.
Über Liebe wurde überhaupt nie gesprochen....
DAS habe ich mir erst viel später erlesen....und meine eigenen Gedanken dazu gemacht.
Sei ganz lieb gegrüßt
Grey Owl

Norbert said...

Lieber Rainer,
wer es schafft, sich selbst zu lieben, der weiß auch was Liebe ist und wie diese objektlose Liebe funktioniert.
Eben OBJEKTLOS, also IMMER.
Das ist der Punkt, an dem der Mensch erkennt, dass er Liebe ist.
Er erkennt, dass in allem Liebe ist.
Sie macht DING-haft.
Wenn Liebe unbe-DINGT ist können wir sei nicht erkennen.
Also be-DINGT sie sich. Und das in ALLEM.

Das ist die Vielfalt der Liebe was wir die Welt nennen.

Liebe Grüsse
Norbert :-)

Postpanamamaxi said...

Lieber Rainer,
da hast Du einen Gedanken weitergesponnen, den ich sehr interessant finde.

Wer sich selbst nur unter Bedingungen annimmt, der stellt auch den anderen Bedingungen für die Liebe.

Meine Mam ist so ein Typ, der sich jahrzehntelang unaufgefordert selbst aufgeopfert hat.
Und nun darüber ärgert, dass sie unter Wert behandelt wird von einigen Leuten.

Sie ist aber auch diejenige, die meinen gelegentlichen Ellenbogeneinsatz und meinen mühsam erlernten Egoismus mit einer Mischung aus Befremdung und Bewunderung betrachtet. Und mir oft genug vorgeworfen hat, dass ich so egoistisch sei und mich nicht genügend aufopfere für meinen Mann und meine Kinder, und dass ich froh sein müsse, dass mich überhaupt einer nimmt...es ist nicht leicht, trotzdem stark und aufrecht zu werden. Aber vielleicht wäre ich es auch nicht geworden, wenn ich nicht immer diesen Widerstand gehabt hätte.
Resilienz braucht nicht nur eine Stütze und eine Orientierung, auf die man zuwachsen kann, sondern auch Gegenwind.

Ich kann ihr ihre Lernerfahrung nicht abnehmen.
Ich kann ihr als Tochter nur helfen, zu erkennen, was da falsch gelaufen ist - und ihr den Mut machen, angesichts der verkrusteten Strukturen nicht aufzugeben und sie doch noch zu ändern. Und so ganz langsam bricht sie wirklich nochmal auf.

Denn wenn ich uns so ansehe, dann glaube ich schon, dass ich diejenige bin, die sich mehr annehmen und lieben gelernt hat als sie. Und dass ich deswegen anders und erfüllender geliebt werde. Das würde ich sie so gern auch erleben lassen.

Wenn man immer nur nach außen und von sich weg liebt, dann kommt irgendwann die große Leere und man implodiert womöglich. Der Energiefluss von einem weg sorgt für so ein großes Ungleichgewicht, dass es irgendwann kollabiert und sich umkehrt. Und dann wird es zu einem zerstörerischen schwarzen Loch, das dann auf einmal alles an Liebe reinsaugt, was man kriegen kann - und über alle Maßen hinaus.

Du kennst sie auch, die alten Leute, die sich ungefragt für ihre Kinder aufgeopfert und sie unter immensen Druck gesetzt haben und dann, wenn sie hochbetagt sind, den Kindern eine Rechnung für ihre Aufopferung stellen und sie der Undankbarkeit bezichtigen.

Ich habe mit meiner Mam darüber gesprochen und ihr klargemacht, dass ich so ein Spiel nicht mitspielen werde. Dass es ihre Entscheidung ist und nicht meine, weil sie die Mutter war und ich das Kind. Und dass ich keine schlechtere Mutter bin als sie, nur weil ich mich nicht für meine Kinder aufopfere und mir ein eigenes Leben neben der Mutterschaft zugestehe.

Ich habe meiner Mam gesagt, dass ich sie liebe. Nicht für das, was sie tut oder getan hat, sondern weil sie sie ist.
Vielleicht bekomme ich in 30 Jahren also keine Rechnung gestellt von ihr...

Lieber Rainer, danke fürs Nachdenklichmachen.

Ray Gratzner said...

Liebe Grey Owl, fühl Dich ein wenig gedrückt. Ich finde jeder sollte es mal gesagt bekommen, ob Mann oder Frau, Du musst Dich lieben, denn Du bist liebenswert...
Alte Routinen zu überwinden ist natürlich eine schweres Stück Arbeit. Auf Deinem Blog kann ich eine Menge dazu lesen, wie Du mit Gewohnheiten. Schafig kommst Du bei mri allerdings gar nicht rüber...

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Lieber Norbert,

wenn ich mich liebe, bin ich dann nicht das Objekt meiner Liebe? Mir fehlt da vielleicht noch ein Zwischenschritt.
Wenn Liebe Dinge schafft, weil ich doch Liebe bin und das Wesen der Liebe un-bedingt ist, ist sie in allem, so verstehe ich Dich jetzt.
Lieber Norbert, ich kann Dir glaube ich folgen, aber für mich ist es einfacher der Spur der Energie zu folgen, dann sehe ich dass alles mit Liebe durchflutet ist und es für alle Lebewesen energiesparend ist, einen Weg der Liebe zu gehen, denn so drehen sie sich energetisch in den unsichtbaren aber fühlbaren Wind...

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Postpanamamaxi,
Ich finde Du hast hier sehr anschaulich dargestellt, das Kinder nicht die Verantwortung für das Leben der Eltern und deren Entscheidungen übernehmen können. Jeder hindert jeden am Schluss sein Leben zu leben und glücklich zu sein. Ich finde es bemerkenswert, dass Du diese Kraft und Klarheit in Dir gefunden hast. Ob Deine Mama das auch erleben wird, wird davon abhängen, was sie für möglich hält und wenn Du ihr zeigst dass es möglich ist, mein Gott, warum sollte Ihr das dann nicht auch passieren?

Liebe Grüße in den seifigen Norden...