Friday, April 20, 2012

Ray, der Ängstliche...

Diesen Schritt wollte ich nicht tun. Keiner sagte etwas - doch genau dieses Stille, die Anwesenheit von Zeugen, das Verstreichen der Zeit, all das machte mir Stress. Ich wusste nicht genau, warum ich keinen Schritt vorangehen konnte. Das Grauen schien vor mir zu liegen, ein namensloses Grauen. Obendrein hatte ich jedes Körpergefühl verloren.

Und dann fiel ich wider Willen vorwärts und verschwand. Ich war ohne zu wissen wo, ich fühlte ohne zu wissen was. Langsam schälte ich mich und ließ gefühlte 25 Wintermäntel zurück, die mich eingeschnürt und das Leben eingedrückt hatten. Dann tauchte ich auf, wie in einem warmen See durchschritt ich die Barriere. Die Angst war verflogen, die Menschen waren fort, mein Körpergefühl war wieder da.

Mir fiel der Satz wieder ein: unsere persönliche Geschichte ist leer, deswegen können wir sie jederzeit hinter uns lassen.

8 comments:

Norbert said...

Das Ist normal, Rainer.

Der Mensch lebt in der Konstanz der Vergänglichkeit und hat jedoch immer Angst, wenn auch unbewusst, vor dem was kommt, weil es sich ändert.

Würde es immer so bleiben wie es gerade ist, und der Mensch steckt in diesem Moment in der Sche..., dann freut er sich über die Vergänglichkeit, läuft es gerade mal gut, möchte er es festhalten.

"""Wenn wir wollen, was wir bekommen, dann bekommen wir was wir wollen.""""

Eigentlich ganz einfach, oder?

Übrigens: einen Wintermantel würde ich behalten, die anderen weggeben:-)

Sonst hast Du zu viel zu tragen.

Ballast loswerden, befreit.


Wie der Pilger, der durch die Wüste ging und eine schwere Metallplatte mit sich trug. Gefragt, warum er diese schwere Platte mitschleife, sagte er, wenn eine Löwe kommt wirft er sie weg, damit er schneller rennen kann, :-)

Grüssle
Norbert :-)

Grey Owl Calluna said...

Jawohl! Schreiben wir sie neu.....jeden Tag auf's Neue!
Was bleibt uns sonst zu tun.....wenn wir "leben" wollen?
Liebe Grüße
Grey Owl

zentao said...

Lieber Rainer
es ist wohl, wie Kleider wechseln, am Ende stehen wir Nackt da -

bevor wir neu geboren werden, lassen wir alles zurück -

nicht nur am Ende unseres Lebens -

auch im täglichen Leben, müssen wir immer wieder, einiges loslassen können.
Wer loslassen kann ist frei.

Wie in Deiner Geschichte mit den Wintermänteln.
LG Erwin

Ray Gratzner said...

Lieber Norbert,

ich finde es sehr charmant, wie Du die Dinge auf den Punkt bringst...

Ja, meine Mäntelchen - da muss leider auch das Wintermäntelchen fort :-))) aber die Löwenparabel - Spitze...

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Liebe Grey owl,

ich hoffe sehr, dass Du aus dem Krankenhaus zurück bist und auf dem Wege der Heilung bist...

Daher freue ich mich über Deinen Kommentar gans Besonders...

Liebe Grüße Rainer

Ray Gratzner said...

Lieber Zentao,

Deine Worte fließen aus der Erfahrung, was sie so wertvoll macht...
Danke

Liebe Grüße Rainer

AnnaFelicitas said...

Nicht umsonst heißt es, dass jeder Tag eine guter Tag für einen Neubeginn ist.

Ein sehr schöner Beitrag lieber Rainer!

Alles Liebe
Anna

Ray Gratzner said...

Liebe Anna,

ja wenn jeder Tag ein Neubeginn ist, dann haben wir keine wirkliche persönliche Geschichte, recht hast Du...

Liebe GRüße Rainer