Tuesday, March 18, 2008

Ein Freund berichtet


Ein Freund berichtete mir.

"13 Jahre lang bin ich keinen Schritt weiter gekommen. Ich habe all die Geschichten der Anderen neidisch mit angehört. Jeder hatte etwas zu berichten. Der Eine war mit seinem Traumkörper regelmäßig unterwegs. Ein anderer konnte Energiekörper sehen, dass er fähig war präzise und treffsicher zu heilen. Der Dritte brauchte ein Pflanze nur in die Hand nehmen und wusste schon wofür sie gut war. Ich saß daneben und konnte nichts erzählen.

Was fehlte mir, dachte ich immer wieder. Warum ist mir keine spirituelle Erfahrung beschieden und ist das am Ende vielleicht alles nur ein großer Hokus Pokus. Der Zweifel nagte meine Seele von Innen an. Ich suchte nach Spuren verräterische Taten. Wie führten diese Leute ihre Tricks durch?

Dann eines Tages war ich zum Einkaufen unterwegs und hatte das Auto genommen. Weit und breit war niemand zu sehen, weil ich eine Abkürzung genommen hatte und ich musst zum nächsten Telefon durch ein Wäldchen gehen.

Ich ging einen kleinen Weg durch das Unterholz entlang und fand mich auf einem gepflasterten Weg wieder. Mir kam ein Mann in einer Kutte entgegen. Komisch, was machen denn Mönche hier dachte ich noch. Als wir aneinander vorbei gingen, stoppte der Mann und hob sein Gesicht. Was ich sah war kein menschliches Gesicht. Es war eine leuchtende amorphe Masse, die mich paralysierte. So etwas konnte es nicht geben, dachte ich verzweifelt und dann packte ich den Mönch.

In dem Moment als ich ihn packte, hörte ich einen lauten Schrei und der vermeintliche Mönch verwandelte sich in einen normalen Spaziergänger. Ich ließ ihn los und murmelte eine Entschuldigung. Doch kaum hatte ich ihn losgelassen, hatte der Mann sich in einen Mönch mit einer Kutte und leuchtendem Quallengesicht zurück verwandelt.

Ich wachte auf, ich hatte das Einkaufen nur geträumt. Am nächsten Tag hatte ich eine Autopanne auf dem Weg zum Einkaufen und traf diesen Mann, den ich zuvor im Traum gesehen hatte. Ich ging auf ihn zu und berührte ihn, in der Hoffnung vielleicht eine Verwandlung mit zu erleben. Doch der Mann blieb derselbe.

Seit jener Nacht träume ich regelmäßig von der Gestalt mit der Kutte und ich finde die Plätze, an denen er sich aufhält. Nach und nach habe ich gelernt die Bedeutung zu erkennen, warum er sich dort aufhält, aber das ist eine andere Geschichte. Menschen mit der Begabung Plätze aus der Wachwelt zu träumen brauchen häufig länger zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten, aber sie berühren die körperliche Welt."

4 comments:

ahora said...

Sie suchte mit großem Ernst, "ihren" Weg.
Je mehr sie sich in der
2. Aufmerksamkeit wiederfand und das geschah zu dieser Zeit sehr oft, umso mehr wollte sie sie erhalten.

Eines Tages ging sie am Meer spazieren. Ihr ganzes Leben bestand aus Warten auf das "Andere".
Plötzlich kam ein Mann um die Ecke des felsigen Weges gebogen.
Er blieb vor ihr stehen und schaute sie liebevoll an.
"Das Wetter ist so schön", sagte er, "warum gehst du nicht schwimmen?"
Diese Worte fielen tief in ihr Inneres.
Ihr fiel es wie Schuppen von den Augen.
Er ging weiter.
Als sie sich zu ihm umdrehte, war er verschwunden.

LG
Barbara

Ray Gratzner said...

Liebe Barbara, vielen lieben Dank für Deine Erzählung. Ich finde sie geheimnisvoll.

ahora said...

geheimnisvoll? Ich nahm Bezug auf die Geschichte von Deinem Freund.
Je mehr wir uns um spirituelle Erfahrungen bemühen, umso eher übersehen wir sie, eben weil wir uns so bemühen.
Die Frau in meiner Geschichte wusste nach dieser für sie wichtigen Begegnung, dass sie sich etwas zu sehr wünschte, etwas zu sehr wollte.

Die Erfahrungen, wie sie der Freund gemacht hat sind nur so lange wichtig, bis wir "wissen". Dann sind sie nicht mehr nötig, weil das ganze Leben zum Wunder geworden ist. Dann können wir gelassen und entspannt schwimmen gehen, metaphorisch gesprochen.

Ray Gratzner said...

Liebe Barbara, mit Deiner Erklärung ist Deine Geschichte mir sonnenklar. Danke.