Friday, March 21, 2008

Glücklich?


"Glücklich? Was glücklich ist?"

"Ja, bist Du glücklich?"

Sie setzt eine Brille auf und schaut nachdenklich, dann lacht sie und schüttelt den Kopf. "Nein natürlich bin ich nicht glücklich, denn wie könnte ich das sein?"

"Warum was fehlt Dir denn zum Glücklich sein?"

"Erstens die Freiheit glücklich zu sein. Zweitens die Freiheit sagen zu dürfen was ich fühle und drittens die Freiheit tun zu dürfen was ich fühle."

"Und all das hast Du nicht?"

"Nein, wenn ich mich wohl fühle, dann gibt es immer Menschen, die meinen mich stören zu dürfen, auch wenn ich das nicht will. Diese Menschen denken, dass ich ihnen gehöre. Wenn ich einfach nur sage, was ich fühle, fühlen sich einige Menschen beleidigt, insbesondere die, die etwas darstellen wollen. Und wenn ich tue, was ich möchte, dann gibt es Leute, die stört, das ich es tue."

"Hast Du kein Privatleben, in dem dich keiner stören kann?"

"Sicher habe ich ein Privatleben, aber in jedem Moment meines Daseins spüre ich ihre Ansprüche, spüre ich ihre Missbilligung spüre ich ihren Zorn auf mich, weil ich nicht so bin, wie sie mich gerne hätten."

Wir schweigen.

"So ist das", bekräftigt sie.

2 comments:

giocanda said...

Was könnte man dieser Frau sagen:

"Gönne dir irgendwo ein winziges Stückchen Freiheit, egal wo - im täglichen Leben, in deinen Gedanken oder nimm dir die Freiheit, Dich einmal in der Woche, nicht vom Anspruchsdenken anderer gefangen nehmen zu lassen. Fange mit kleinen Schritten an."

Heute nachmittag hat mich eine junge Frau besucht.
Ihre vier Kinder sind jetzt fast groß.
"Alle haben ein eigenes Zimmer, nur ich nicht", sagt sie
Ich habe sie darin bestärkt, sich - eine kleine Ecke zu schaffen, die nur ihr gehört.
Sie wird diese Ecke bestimmt stark verteidigen müssen, d.h., wenn die Kinder etwas von ihr wollen, haben sie zu warten oder anzuklopfen, je nach Abmachung.
Das ist ein scheinbar kleiner Schritt in die Freiheit, dem automatisch viele neue Schritte folgen werden, aber ein großer Schritt auf dem Weg ins Glück.

Lieber Ray, ich wünsche Dir ein schönes Osterfest
Liebe Grüße
Barbara

Ray Gratzner said...

Liebe Barbara,

eine eigene Ecke, Privatheit auch in der Familie, Vereinbarungen - ich denke auch das das wichtige Schritte zu mehr Freiheit sind. Im Alltag wird die Freiheit geschaffen, wo sonst.

Dir auch liebe Grüße und ein frohes Osterfest